Man fährt mit, ohne genau zu wissen wohin
Esther Schüttpelz: Grüne Welle
Irgendwie mochte ich dieses kleine Büchlein. Am Anfang dachte ich ehrlich: Was soll das denn jetzt werden? Eine Frau fährt nach dem Kino mit dem Auto nach Hause, verpasst eine Abzweigung und statt einfach umzudrehen, fährt sie immer weiter in die falsche Richtung. Und genau darum geht’s hier:
Wir begleiten diese Frau auf einer scheinbar simplen Fahrt, die sich schnell als innere Flucht entpuppt. Eigentlich will sie gar nicht nach Hause. Zu ihrem Mann erst recht nicht. Also fährt sie weiter, immer weiter und mit ihr ihr Kopf. Gedanken, Erinnerungen, Tagträume, kleine Erkenntnisse, große Zweifel. Alles mischt sich zu einem ziemlich dichten Gedankenstrudel. Schritt für Schritt entfaltet sich so ein Bild ihres bisherigen Lebens, ihrer inneren Konflikte und Sehnsüchte. Dabei passiert gar nicht viel, und trotzdem wird es nie langweilig. Ein Reh taucht auf, zwei Mädchen, ein Waldstück… kleine Momentaufnahmen, die sich wie beiläufig in die Fahrt einfügen, während eigentlich alles im Kopf der Frau stattfindet. Und genau dieser innere Strom zieht einen nach und nach in ihr Gedankenchaos hinein, ob man will oder nicht.
Der Erzählstil ist dabei sehr distanziert. Als Leser*innen bleiben wir Beobachtende, ohne eine enge Bindung zu den Figuren aufzubauen. Keine große emotionale Nähe, kein Kuscheln mit den Figuren. Aber das passt erstaunlich gut, weil man so eher beobachtet, als bewertet und der Gedankenfluss der Frau trotzdem ein gewisses Tempo entwickelt, das einen kaum loslässt.
Nach und nach wird klarer, was eigentlich hinter ihrer Flucht steckt: ein brüchiges Leben, Erschöpfung, eine Ehe, die sich leer anfühlt, häusliche Gewalt, Einsamkeit und viele unbequeme Fragen, die sie lieber im Rückspiegel verschwinden lässt, statt sich ihnen zu stellen. Gleichzeitig gibt es auch eine philosophische und psychologische Tiefe, die viele Fragen offenlässt und zum Nachdenken anregt. Hin und wieder gibt es auch Momente, die fast ironisch sind und bei denen ich mich selbst manchmal beim Schmunzeln erwischt habe. Spannend fand ich auch die Kapitel aus Sicht der Freundin. Dadurch bekommt man plötzlich nochmal einen ganz anderen Blick auf das Ganze und sieht, was diese harmlos wirkende Fahrt bei ihr zu Hause auslöst und die Hauptfigur wird dadurch irgendwie greifbarer.
Zentrales Thema ist außerdem die Kunst. Die Frau entwickelt ihre Werke vom Rahmen aus, ein ziemlich klares Bild für Grenzen, Erwartungen und die Enge, in der sie sich bewegt. Besonders als Frau scheint dieser Rahmen allgegenwärtig. Sie versucht, ihn zu sprengen oder zumindest nicht daran zu ersticken. Und ja: Ohne die Kunst wäre sie wahrscheinlich an ihren eigenen Gedanken längst zerbrochen.
Am Ende bin ich etwas ratlos zurückgeblieben, aber auf eine interessante Art. Vielleicht, weil das Buch genau dieses Gefühl erzeugt: Man fährt mit, ohne genau zu wissen wohin, und merkt erst spät, dass sie nicht einfach fährt, sondern nicht mehr anhalten will oder kann.
Irgendwie mochte ich dieses kleine Büchlein. Am Anfang dachte ich ehrlich: Was soll das denn jetzt werden? Eine Frau fährt nach dem Kino mit dem Auto nach Hause, verpasst eine Abzweigung und statt einfach umzudrehen, fährt sie immer weiter in die falsche Richtung. Und genau darum geht’s hier:
Wir begleiten diese Frau auf einer scheinbar simplen Fahrt, die sich schnell als innere Flucht entpuppt. Eigentlich will sie gar nicht nach Hause. Zu ihrem Mann erst recht nicht. Also fährt sie weiter, immer weiter und mit ihr ihr Kopf. Gedanken, Erinnerungen, Tagträume, kleine Erkenntnisse, große Zweifel. Alles mischt sich zu einem ziemlich dichten Gedankenstrudel. Schritt für Schritt entfaltet sich so ein Bild ihres bisherigen Lebens, ihrer inneren Konflikte und Sehnsüchte. Dabei passiert gar nicht viel, und trotzdem wird es nie langweilig. Ein Reh taucht auf, zwei Mädchen, ein Waldstück… kleine Momentaufnahmen, die sich wie beiläufig in die Fahrt einfügen, während eigentlich alles im Kopf der Frau stattfindet. Und genau dieser innere Strom zieht einen nach und nach in ihr Gedankenchaos hinein, ob man will oder nicht.
Der Erzählstil ist dabei sehr distanziert. Als Leser*innen bleiben wir Beobachtende, ohne eine enge Bindung zu den Figuren aufzubauen. Keine große emotionale Nähe, kein Kuscheln mit den Figuren. Aber das passt erstaunlich gut, weil man so eher beobachtet, als bewertet und der Gedankenfluss der Frau trotzdem ein gewisses Tempo entwickelt, das einen kaum loslässt.
Nach und nach wird klarer, was eigentlich hinter ihrer Flucht steckt: ein brüchiges Leben, Erschöpfung, eine Ehe, die sich leer anfühlt, häusliche Gewalt, Einsamkeit und viele unbequeme Fragen, die sie lieber im Rückspiegel verschwinden lässt, statt sich ihnen zu stellen. Gleichzeitig gibt es auch eine philosophische und psychologische Tiefe, die viele Fragen offenlässt und zum Nachdenken anregt. Hin und wieder gibt es auch Momente, die fast ironisch sind und bei denen ich mich selbst manchmal beim Schmunzeln erwischt habe. Spannend fand ich auch die Kapitel aus Sicht der Freundin. Dadurch bekommt man plötzlich nochmal einen ganz anderen Blick auf das Ganze und sieht, was diese harmlos wirkende Fahrt bei ihr zu Hause auslöst und die Hauptfigur wird dadurch irgendwie greifbarer.
Zentrales Thema ist außerdem die Kunst. Die Frau entwickelt ihre Werke vom Rahmen aus, ein ziemlich klares Bild für Grenzen, Erwartungen und die Enge, in der sie sich bewegt. Besonders als Frau scheint dieser Rahmen allgegenwärtig. Sie versucht, ihn zu sprengen oder zumindest nicht daran zu ersticken. Und ja: Ohne die Kunst wäre sie wahrscheinlich an ihren eigenen Gedanken längst zerbrochen.
Am Ende bin ich etwas ratlos zurückgeblieben, aber auf eine interessante Art. Vielleicht, weil das Buch genau dieses Gefühl erzeugt: Man fährt mit, ohne genau zu wissen wohin, und merkt erst spät, dass sie nicht einfach fährt, sondern nicht mehr anhalten will oder kann.