Roadmovie, ohne ein Roadmovie zu sein...
Roadmovie, ohne ein Roadmovie zu sein... Esther Schüttpelz hat mit ihrem 'Zweitling' entlang einer genialen Ausgangsidee einen Roman erschaffen, dem man sich kaum entziehen kann - ähnlich wie es der Protagonistin in "Grüne Welle" auf der Straße ergeht, ergeht es den Leser:innen - man kann einfach nicht aufhören, sich immer weiter durch die Geschichte ziehen zu lassen. Die Protagonistin war zu ihrem monatlichen, gemeinsamen Kinobesuch bei ihrer letzten verbliebenen Freundin und befindet sich auf der Heimfahrt; es ereignet sich eine Umleitung und sie verpasst immer wieder die Abfahrten, fährt in die Nacht hinein und das auch noch ohne Orientierung, weil ihr Handy den Geist aufgegeben hat. Mit zunehmender Entfernung gewinnt die Protagonistin mehr und mehr Distanz zu ihrem gegenwärtigen Leben, welches sich extrem eingeengt zu haben scheint auf die gewalttätige Beziehung. zu ihrem Mann. Nur mit ihrer Kunst gelingt es ihr, den engen Rahmen zu sprengen, über den Rahmen hinaus zu malen. Wir erleben die Protagonistin bei einem Widunfall, der sie an ihre eigene Lebenslage erinnert; wir erleben sie im Kontakt mit zwei Tramperinnen, die an die eigene Jungend erinnen und nicht immer angenehme Fragen stellen, wir erleben sie, wie sie sich einen neuen Vornamen gibt und damit für kurze Zeit eine neue Identität probt... und vor allem erleben wir die Protagonistin in ihrem Dialog mit sich selbst... und schlussendlich erleben wir noch einen unerwarteten Ausgang der Geschichte. Was also will man mehr!? Unbedingte Leseempfehlung!