Schwere Themen, flüchtig verpackt

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yannickrieke Avatar

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Nachdem sie mit einer Freundin im Kino war, macht sich die Protagonistin auf den Weg nach Hause. Doch aufgrund einer Straßensperrung verfährt sie sich und irrt durch die Nacht. Sie nimmt sich vor an der nächsten roten Ampel ihrem Mann Bescheid zu geben und ihr Navi zu checken, doch diese rote Ampel kommt nicht. Während der fährt fängt sie an nachzudenken, über sich, über ihre Beziehung, wohin sie gerade will.
Die Prämisse ist spannend, die Erzählperspektive, nicht ganz in den Köpfen der Figuren, aber auch nicht völlig unbeteiligt interessant gewählt. Esther Schüttpelz zeichnet das Innenleben einer Frau, die mit ihrer toxischen Beziehung abschließt. Nachvollziehbar entwickeln sich über den Lauf des Roman die Gedanken. Als Leser:in muss man dabei auch immer ein bisschen zwischen den Zeilen lesen, um nachzuvollziehen was die Protagonistin, deren Namen wir am Ende des Romans immer noch nicht sicher kennen, durchmacht. Der Reveal ist am Ende dann aber trotzdem vorhersehbar, was vielleicht auch keine Kritik an dem Roman, sondern an unserer Gesellschaft ist
Die recht kurze Geschichte (ca. 200 Seiten) liest sich schnell weg. Auch wenn eigentlich keine leichten Themen behandelt werden bleibt die Erzählung dabei aber immer locker, plätschert dahin, schildert dabei den Umgang der Protagonistin mit der Situation. Während des Lesens macht das Geschilderte zwar kurz nachdenklich, leider bleibt die Geschichte aber nicht nachhaltig im Kopf.
"Grüne Welle" ist sicherlich kein schlechter Roman, der teils vorherrschenden Begeisterung kann ich mich aber nicht anschließen. Für Lesende, die gar keinen Zugang zur Thematik haben, mag der Roman vielleicht einen ersten Einblick bieten. Die Geschichte bleibt aber oberflächlich, geht nur sehr begrenz in die tiefe, nicht zuletzt auch wegen der Kürze der Erzählung.