Selbstreflexion während einer Autofahrt

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91cobsala Avatar

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Esther Schüttpelz kannte ich bisher nicht, somit war "Grüne Welle" diesbezüglich eine Premiere für mich.

Die Autorin hat eine spezielle Art zu schreiben; einerseits distanziert, indem keine Namen genannt werden und relativ unpersönlich von den handelnden Personen erzählt wird: "die Frau", "die Freundin der Frau", "der Mann" usw. Andererseits werden Gedankengänge teilweise detailliert beschrieben. Auf dieses, ich nenne es mal "Lesespiel", muss man bereit sein, sich einzulassen. Tut man das, kann man sich auf ein kurzweiliges Lesevergnügen einstellen, das sich nach und nach entfaltet. So nähert man sich mit jedem gefahrenen Kilometer der zunächst unpersönlich erscheinenden Hauptfigur an und beginnt, ihre Beweggründe nachzuvollziehen. Mir gefiel dieser Ansatz sehr gut, und mich hat die Autorin damit abgeholt. Von Vorteil war dabei sicherlich, dass nach einem für mich etwas schleppenden Beginn die Geschichte buchstäblich Fahrt aufnimmt und mit einigen Überraschungen aufwartet.

Insgesamt kann ich "Grüne Welle" allen ans Herz legen, die mal etwas Neues bzw. Anderes beim Lesen ausprobieren möchten. Esther Schüttpelz forderte meine Lesegewohnheiten heraus, aber die Lektüre hat sich definitiv gelohnt.