sperriger Schreibstil
Grüne Welle von Esther Schüttpelz ist ein Roman mit einer wirklich faszinierenden Ausgangsidee: Eine ganze Geschichte, die nahezu ausschließlich im Innenraum eines Autos spielt. Nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin steigt eine Frau in ihren Wagen, um nach Hause zu fahren – doch eine Umleitung bringt sie vom gewohnten Weg ab. Sie verpasst Ausfahrt um Ausfahrt, entfernt sich immer weiter von dem Haus, in dem ihr Mann auf sie wartet. Aus einer kurzen Heimfahrt wird eine nächtliche Irrfahrt über dunkle Landstraßen und durch grell beleuchtete Tankstellen. Und je länger sie unterwegs ist, desto deutlicher wird: Vielleicht ist nicht die Dunkelheit draußen das Bedrohliche – sondern das, was sie zu Hause erwartet.
Dieses Kammerspiel auf Rädern ist formal beeindruckend. Der innere Monolog erzeugt eine intensive, fast klaustrophobische Atmosphäre. Man spürt die Enge des Autos, die Müdigkeit, das Kreisen der Gedanken. Die Idee, aus einem scheinbar banalen Moment – einer verpassten Ausfahrt – eine existenzielle Reise zu machen, ist stark und literarisch ambitioniert.
Trotzdem konnte ich keine wirkliche Nähe zur Protagonistin aufbauen. Das lag vor allem am Schreibstil und an der Distanz, die bewusst erzeugt wird. Sehr lange bleibt sie namenlos und wird lediglich als „die Frau“ bezeichnet. Das mag als Stilmittel gedacht sein, um ihre Entfremdung zu unterstreichen, erschwert aber die Identifikation. Auch die beiden Mädchen, die sie später unterwegs einsammelt, bleiben eher schemenhaft. Man erfährt wenig über sie, sodass sie mehr wie Projektionsflächen wirken als wie eigenständige Figuren.
Die Reh-Thematik hat mich zunächst eher ratlos zurückgelassen. Dass die Protagonistin sich selbst in einem angefahrenen Reh gespiegelt sieht, wurde für mich erst wirklich greifbar, als sie ihre Beziehung zu ihrem Mann offenlegt. In diesem Moment fügt sich vieles zusammen – vorher wirkte das Motiv für mich etwas konstruiert oder zumindest nicht ausreichend vorbereitet.
Insgesamt ist „Grüne Welle“ ein literarisch anspruchsvoller Roman mit einer starken, ungewöhnlichen Idee und einer dichten Atmosphäre. Emotional hat er mich jedoch nicht vollständig erreicht. Wer experimentelle Erzählformen und psychologische Innenschau schätzt, wird hier sicherlich mehr Zugang finden als ich. Für mich bleibt es ein interessantes, aber etwas distanziertes Leseerlebnis.
Dieses Kammerspiel auf Rädern ist formal beeindruckend. Der innere Monolog erzeugt eine intensive, fast klaustrophobische Atmosphäre. Man spürt die Enge des Autos, die Müdigkeit, das Kreisen der Gedanken. Die Idee, aus einem scheinbar banalen Moment – einer verpassten Ausfahrt – eine existenzielle Reise zu machen, ist stark und literarisch ambitioniert.
Trotzdem konnte ich keine wirkliche Nähe zur Protagonistin aufbauen. Das lag vor allem am Schreibstil und an der Distanz, die bewusst erzeugt wird. Sehr lange bleibt sie namenlos und wird lediglich als „die Frau“ bezeichnet. Das mag als Stilmittel gedacht sein, um ihre Entfremdung zu unterstreichen, erschwert aber die Identifikation. Auch die beiden Mädchen, die sie später unterwegs einsammelt, bleiben eher schemenhaft. Man erfährt wenig über sie, sodass sie mehr wie Projektionsflächen wirken als wie eigenständige Figuren.
Die Reh-Thematik hat mich zunächst eher ratlos zurückgelassen. Dass die Protagonistin sich selbst in einem angefahrenen Reh gespiegelt sieht, wurde für mich erst wirklich greifbar, als sie ihre Beziehung zu ihrem Mann offenlegt. In diesem Moment fügt sich vieles zusammen – vorher wirkte das Motiv für mich etwas konstruiert oder zumindest nicht ausreichend vorbereitet.
Insgesamt ist „Grüne Welle“ ein literarisch anspruchsvoller Roman mit einer starken, ungewöhnlichen Idee und einer dichten Atmosphäre. Emotional hat er mich jedoch nicht vollständig erreicht. Wer experimentelle Erzählformen und psychologische Innenschau schätzt, wird hier sicherlich mehr Zugang finden als ich. Für mich bleibt es ein interessantes, aber etwas distanziertes Leseerlebnis.