Ungewöhnlich

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leserinlu Avatar

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Der Roman „Grüne Welle“ hat mich vor allem durch seine ungewöhnliche Ausgangssituation gepackt: Eine scheinbar harmlose Heimfahrt einer Frau nach dem Kino mit ihrer Freundin wird zu einer immer längeren Fahrt ins Ungewisse. Sie nimmt - bewusst oder unbewusst? - eine falsche Ausfahrt und begibt sich damit auch auf eine innere Reise.

Beim Lesen begleitet man die Protagonistin überwiegend durch ihren Gedankenstrom aus Erinnerungen, Rechtfertigungen, Ängsten. Der Stil ist intensiv und entfaltet durch lange Satzkonstruktionen einen Sog, weshalb ich den Roman in einem Rutsch gelesen habe. Das ist fordernd, hat mich aber zugleich stark in den Roman hineingezogen. Nur an wenigen Stellen hatten ihre Reflexionen für mich Längen. Nach und nach setzt sich das Schicksal der Frau zusammen, ergänzt wird die Geschichte der Frau durch Kapitel aus Sicht ihrer Freundin. Dieses langsame Aufdecken von Informationen hat mir gut gefallen.

Für mich ist „Grüne Welle“ ein kluger Roman über Selbsttäuschung, Angst und den Mut, sich der eigenen Wahrheit zu stellen, den man an gut an einem ruhigen Nachmittag lesen kann.