Ungewöhnlicher Ansatz, starke Sprache

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vo.nicole Avatar

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Esther Schüttpelz erzählt in "Grüne Welle" von einer Frau, die nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin eigentlich nach Hause fahren will. Eine Umleitung bringt sie jedoch von ihrem Weg ab und aus dieser kleinen Abweichung wird eine immer längere Fahrt durch die Nacht, während sich gleichzeitig die Frage für die Frau aufdrängt, ob die Rückkehr zu ihrem Mann überhaupt noch der richtige Weg wäre.

Der Roman hat für mich einen sehr spannenden Ansatz, der meiner Meinung nach sehr gelungen umgesetzt wird. Der Schreibstil ist poetisch und eindringlich mit vielen Impulsen, die zum Nachdenken anregen. Gleichzeitig liest sich das Buch sehr schnell, weil der Spannungsbogen durchweg hoch ist und man wissen möchte, wohin diese scheinbar endlose Fahrt führen wird.

Besonders interessant fand ich, dass die Figuren anonym bleiben und vieles nur angedeutet wird. Situationen und Hintergründe werden nie vollständig erklärt, wodurch viel Raum für Interpretation bleibt. Für mich sehr stimmig zum gesamten Buch.

Etwas enttäuscht hat mich allerdings das Ende. Zwar bleibt es offen, was grundsätzlich gut zum gesamten Buch passt. Für mich fühlte es sich jedoch eher wie ein Rückschritt an, und ich hätte mir für die Frau einen anderen Ausgang gewünscht.

Alles in allem ist „Grüne Welle“ aber ein toller Roman mit einem ungewöhnlichen erzählerischen Ansatz.