Verfahren

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„Es dauerte noch etwas, bis sich die Frau sicher war, dass sie die falsche Straße gewählt hatte, dass also die Straße, auf der sie noch immer fuhr, nicht zur Autobahnauffahrt Nord führen würde.“ Eine Frau verfährt sich auf dem Weg nach Hause. Während äußerlich die Orientierungslosigkeit zunimmt, gewinnt sie innerlich an Klarheit.
In distanzierter Erzählweise begegnen wir „der Frau“, „der Freundin der Frau“ und „dem Mann der Frau“ – ohne dass ihnen Namen gegeben werden. Dennoch wird durch ihre Gedanken zunehmend deutlicher, wie sie zueinander stehen.
Genau darin sah ich das große Potenzial des Romans: Ich hatte mir erhofft, durch den inneren Dialog die Frau besser kennenzulernen. Doch leider geschieht in dieser Hinsicht zu wenig. Stattdessen richtet sich der Blick immer wieder auf die Umgebung; selbst als die Frau beim Mitnehmen von Anhaltern etwas über sich erzählen könnte, erfindet sie eine ganz andere Figur.
So blieb das Buch hinter meinen Erwartungen zurück. Die Gewalt, die der Frau widerfahren ist, wird nur angedeutet und weder im Kopf noch im Handeln verarbeitet. Vielleicht soll dies ihre Sprachlosigkeit ausdrücken – doch letztlich wirkt die Fahrt dadurch fast bedeutungslos.