Wenn einer Frau der Zufall den Weg aus der Gefahrenzone zeigt
Die Frau war mit der Freundin im Kino. Einmal im Monat macht sie das. Es scheint ihr einziger dauerhafter Sozialkontakt zu sein, neben ihrem Mann, mit dem sie seit über zehn Jahren verheiratet ist. Doch diesmal ist etwas anders als sonst. Sie fährt nicht auf direktem Weg nach Hause, sondern lässt sich von den grünen Ampeln treiben, immer weiter weg. Es ist keine wirklich bewusste Entscheidung, sie lässt sich einfach treiben und denkt ab und zu darüber nach, dass sie umkehren werde, sobald mal eine Ampel rot sein werde... doch es ist grüne Welle. Sie fährt auf die Autobahn auf und noch weiter weg. Sie lässt sich treiben, so ist sie es gewohnt. Entschlossen eigene Entscheidungen zu treffen, war vielleicht noch nie ihre Sache, vielleicht war sie schon immer der intuitive Typ, vielleicht hat sie in den letzten Jahren ihren Glauben an ihre Selbstwirksamkeit verloren...
Währenddessen wird der Mann zu Hause unruhig, schließlich ist er gewohnt, dass die Frau nach dem Kinobesuch mit der Freundin einmal im Monat direkt zu ihm nach Hause fährt. Er kontaktiert die Freundin der Frau, diese weiß auch nicht mehr. Die beiden reden darüber, ob etwas getan werden solle. Die Polizei solle nicht gerufen werden, wünscht der Mann. Und so schreitet die Nacht voran und dann bricht ein neuer Tag an und die Frau ist immer noch in ihrem Auto unterwegs.
Ich habe mich bemüht, diese kurze Zusammenfassung in einem ähnlichen Stil zu schreiben, in dem das Buch verfasst ist. Denn dieses besondere Buch lebt stark von der Art, wie es geschrieben ist. Es sind nicht Menschen mit konkreten Namen, mit denen wir zu tun haben, es sind "die Frau", "der Mann", "die Freundin der Frau" und später zwei Mädchen, die sie trifft: "die Große" und "die Kleine". Das macht schon deutlich, worum es in diesem Buch geht: nicht um konkrete Personen und Einzelschicksale, sondern um Muster und destruktive Beziehungsdynamiken von Gewalt in der Beziehung und damit einhergehender Isolation von anderen Menschen und Entfremdung von der Welt.
Auf ihrem Roadtrip lernen wir die Frau besser kennen und erfahren nach und nach mehr über sie. Früher war sie eine lebensfrohe junge Frau, sie hat auf der Kunsthochschule studiert und ist Künstlerin, doch dann hat sie den Mann kennen gelernt und in der Beziehung mit ihm ist ihre Welt immer kleiner und enger geworden. Auch körperliche Verletzungen sind an ihrem Körper zu entdecken. Und sie ist sehr ängstlich, fürchtet ständig, bei einem Stopp könne jemand die Autotüren aufreißen, weil die Verriegelung des alten Autos nicht mehr funktioniert. Dabei gibt es auf den ersten Anblick in der Umgebung, die sie durchfährt, kaum offensichtliche Gefahren... abgesehen von Wild, das plötzlich auf die Straße rennen könnte.
Wenn man näher hinschaut, ist dieses Buch voll von interessanter Symbolik, die sich an vielen Stellen zeigt und wiederholt. Dadurch wirkt das Buch insbesondere emotional sehr stark nach, was ich auch beim Verfassen dieser Rezension, mehr als eine Woche nach Beendigung der Lektüre, noch deutlich in mir spüre. Sobald ich wieder an dieses Buch denke, habe ich das Gefühl, wieder mit der Frau auf ihrem Roadtrip zu sein, ihre Beklemmung zu spüren, aber auch gemeinsam mit ihr auf ihre Befreiung aus ihrem unglücklichen Leben und der Gewaltbeziehung zu hoffen.
Nachdenklich macht das Buch auch über die destruktive Dynamik von Gewaltbeziehungen und darüber, wie schwer es ist, aus diesen auszubrechen - auch deshalb, weil die Täter ihre Opfer sozial isolieren und deren Selbstwert systematisch zerstören. Ob der Frau das am Ende gelingen wird, beantwortet dieses Buch nicht abschließend, das muss es auch nicht. Der größte Wert des Buches liegt darin, auf eindringliche Weise gerade durch die allgemein gehaltenen Charaktere und die eingebundene Symbolik für das Thema häuslicher Gewalt zu sensibilisieren. Es ist ein rundum gelungenes Werk, das ich allen, die tiefgründige Bücher mögen, in denen es einiges an zu entschlüsselnden Metaphern gibt, sehr empfehlen kann!
Währenddessen wird der Mann zu Hause unruhig, schließlich ist er gewohnt, dass die Frau nach dem Kinobesuch mit der Freundin einmal im Monat direkt zu ihm nach Hause fährt. Er kontaktiert die Freundin der Frau, diese weiß auch nicht mehr. Die beiden reden darüber, ob etwas getan werden solle. Die Polizei solle nicht gerufen werden, wünscht der Mann. Und so schreitet die Nacht voran und dann bricht ein neuer Tag an und die Frau ist immer noch in ihrem Auto unterwegs.
Ich habe mich bemüht, diese kurze Zusammenfassung in einem ähnlichen Stil zu schreiben, in dem das Buch verfasst ist. Denn dieses besondere Buch lebt stark von der Art, wie es geschrieben ist. Es sind nicht Menschen mit konkreten Namen, mit denen wir zu tun haben, es sind "die Frau", "der Mann", "die Freundin der Frau" und später zwei Mädchen, die sie trifft: "die Große" und "die Kleine". Das macht schon deutlich, worum es in diesem Buch geht: nicht um konkrete Personen und Einzelschicksale, sondern um Muster und destruktive Beziehungsdynamiken von Gewalt in der Beziehung und damit einhergehender Isolation von anderen Menschen und Entfremdung von der Welt.
Auf ihrem Roadtrip lernen wir die Frau besser kennen und erfahren nach und nach mehr über sie. Früher war sie eine lebensfrohe junge Frau, sie hat auf der Kunsthochschule studiert und ist Künstlerin, doch dann hat sie den Mann kennen gelernt und in der Beziehung mit ihm ist ihre Welt immer kleiner und enger geworden. Auch körperliche Verletzungen sind an ihrem Körper zu entdecken. Und sie ist sehr ängstlich, fürchtet ständig, bei einem Stopp könne jemand die Autotüren aufreißen, weil die Verriegelung des alten Autos nicht mehr funktioniert. Dabei gibt es auf den ersten Anblick in der Umgebung, die sie durchfährt, kaum offensichtliche Gefahren... abgesehen von Wild, das plötzlich auf die Straße rennen könnte.
Wenn man näher hinschaut, ist dieses Buch voll von interessanter Symbolik, die sich an vielen Stellen zeigt und wiederholt. Dadurch wirkt das Buch insbesondere emotional sehr stark nach, was ich auch beim Verfassen dieser Rezension, mehr als eine Woche nach Beendigung der Lektüre, noch deutlich in mir spüre. Sobald ich wieder an dieses Buch denke, habe ich das Gefühl, wieder mit der Frau auf ihrem Roadtrip zu sein, ihre Beklemmung zu spüren, aber auch gemeinsam mit ihr auf ihre Befreiung aus ihrem unglücklichen Leben und der Gewaltbeziehung zu hoffen.
Nachdenklich macht das Buch auch über die destruktive Dynamik von Gewaltbeziehungen und darüber, wie schwer es ist, aus diesen auszubrechen - auch deshalb, weil die Täter ihre Opfer sozial isolieren und deren Selbstwert systematisch zerstören. Ob der Frau das am Ende gelingen wird, beantwortet dieses Buch nicht abschließend, das muss es auch nicht. Der größte Wert des Buches liegt darin, auf eindringliche Weise gerade durch die allgemein gehaltenen Charaktere und die eingebundene Symbolik für das Thema häuslicher Gewalt zu sensibilisieren. Es ist ein rundum gelungenes Werk, das ich allen, die tiefgründige Bücher mögen, in denen es einiges an zu entschlüsselnden Metaphern gibt, sehr empfehlen kann!