Leben Tür an Tür – und doch allein

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xirxe Avatar

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Die Geschichte spielt in einer Miet-Siedlung namens „Am Kastanienbaum" – 1584 Menschen auf engem Raum, die trotzdem fast alle aneinander vorbeileben. Die Erzählerin blickt von oben auf die Siedlung und zeigt, wie viele Leben nebeneinander gleichzeitig ablaufen – und wie knapp sie sich verfehlen.
Der Blick von oben am Anfang ist ein kunstvoller Einstieg, der die thematische Kernfrage sofort setzt: Was passiert, wenn Menschen so nah beieinander leben und sich trotzdem nicht berühren? Der Ton ist warm, lakonisch und hat echten Witz – der Petersilien-Dialog im Lebensmittelladen etwa macht wirklich Spaß.
Die Figuren sind speziell, aber sympathisch. Ina ist keine Heldin, die man bemitleidet – sie ist rau, selbstironisch, und der Moment mit dem handgeschriebenen Rezept ihrer Mutter („Ina mag Apfelkompott") ist schlicht und trotzdem trifft er. Herr Bello, der in den Kleidern der verstorbenen Nachbarin vor dem Spiegel steht und leise „Che bello" sagt – das ist zart und klug erzählt, ohne jeden Kommentar.
Herr García als Figur ist fast schon ein kleines Kabinettstück für sich: sein tragikomischer Traum von der Schaufensterpuppe als Leiche ist herrlich. Und die latent tickende Bombe unter der Straße als erzählerisches Element – das verspricht Spannung, ohne aufgeregt zu wirken.
Das Ganze wirkt warmherzig ohne jedoch in Kitsch abzugleiten - ja, da möchte ich gerne mitlesen.