Ein Roman der zeigt, wie wenig es braucht, um dazuzugehören

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
jessy1968 Avatar

Von

Schon das farbenfrohe Cover hat in mir Erinnerungen an meine Kindheit in der Großstadt geweckt – auch wenn mein damaliges Viertel längst nicht so bunt war. Umso neugieriger war ich auf die Geschichten, Geheimnisse und Eigenarten der Menschen, die in diesem Buch im Mittelpunkt stehen.

Von der ersten Seite an taucht man in die Perspektive eines Beobachters ein. Dieses Gefühl begleitet einen durch das gesamte Buch und macht die Einblicke in das Leben der Bewohner besonders intensiv. Die Autorin schafft es, die kleinen und großen Momente ihres Alltags so nahbar zu erzählen, dass man sich selbst fast wie Teil der Siedlung fühlt.

Die Geschichte zeigt viel von unserer Gesellschaft: Vorurteile, Unwissen, Gerede, Ängste – aber auch Einsamkeit und die stille Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Die Bewohner, die lange anonym Tür an Tür gelebt haben, werden durch ein einschneidendes Ereignis miteinander verbunden. Dabei wird deutlich, wie wenig es manchmal braucht, um sich einander zu öffnen. Ein Satz aus dem Buch ist mir besonders hängen geblieben: „Dazuzusetzen ist gar nicht so schwer.“

Auch der Gedanke, wie wenige Sekunden den Verlauf eines ganzen Tages verändern können, wirkt nach und regt zum Nachdenken an. Das Buch erinnert daran, wie eng unsere Leben miteinander verwoben sind – oft, ohne dass wir es bemerken.

Den Satz auf der Rückseite („Wenn Sie dieses Buch beendet haben, wird Ihre Welt eine bessere sein“) würde ich persönlich nicht ganz unterschreiben. Aber es ist definitiv ein sehr gelungenes, feinfühliges Buch über die Bewohner der Siedlung Am Kastanienbaum – und eine klare Leseempfehlung.