Kleine Leute

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pawlodar Avatar

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Sehr gekonnt führt die Autorin den Leser in ein Milieu, dem so gar nichts Exotisches anhaftet: eine Großsiedlung von Sozialbauten, deren Bewohnerschaft dargestellt wird in der Unterschiedlichkeit ihrer Charaktere, ihrer Lebensgestaltung, ihrer Herkunft.

Auffällig, dass mit einer Ausnahme diese Vielzahl von Figuren deutlich liebenswert gezeichnet ist. Da entfaltet sich ein Alltag, in dem allen Protagonisten ihre eigene Würde, etwas zutiefst Menschliches zugeschrieben wird. Offenbar besteht die Absicht der Autorin darin, ein überaus optimistisches Bild zu präsentieren: deutlich ihre Tendenz, einen ausgesprochenen feel-good-Roman zu verfassen. Jeder Erzählstrang ist zunächst mit einer Schwierigkeit, einer Herausforderung versehen, aber ‚Ende gut, alles gut‘ ist letztlich die Richtung, die konsequent eingeschlagen wird.

Für einen eher realistisch gepolten Leser mag diese Dosis an heiler Welt definitiv zu hoch sein, doch muss der Autorin zugute gehalten werden, dass es ihr gelingt, die verschiedenen Handlungsfäden unterhaltsam zu verknüpfen. Wahrscheinlichkeit erweist sich in diesem Kontext als überbewertet, wenn das Geflecht allzu glatt sich entwirrt.

Unverkennbar sind natürlich die Zugeständnisse an den Zeitgeist, deren sich Tanja Kokoska nicht entschlagen mag: ein älterer Mann entpuppt sich unversehens als trans, eine türkische Lebensmittelhändlerin entdeckt ihre Liebe zu Rilke, und skurril ist dann der Lapsus, dass sie in ihrem Laden Zettelchen mit Gedichtzeilen zwischen Alufolie und Pappdeckel von Joghurtbechern platziert. Ein realistischer Plastikdeckel wäre da wohl nicht politisch korrekt gewesen.

So prägnant diese kleinen Leute auch gezeichnet sind, so ist es doch schade, dass der Sprachgestus so völlig unspektakulär ist. Ein ermüdendes Witzeln, fortgesetztes Spielen mit Wörtern wird dem durchaus erstgemeinten Ansatz von Kokoska nicht gerecht. Letztlich führt diese allzu leichtfüßige Sprache dazu, dass dem Gesagten eine tiefere Dimension abgeht, eine Prägnanz, eine Intensität, die wirklich zu fesseln vermöchte.