Last minute oder die Vergangenheit holt einen immer wieder ein

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juma Avatar

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Ein Debüt der besonderen Art! Für mich das Sommerbuch 2026, die Autorin hat sich von der ersten Zeile an in mein Herz geschrieben und die Protagonisten sind mir jetzt so lieb und vertraut, als hätte ich sie alle ganz hautnah »Am Kastanienbaum« kennengelernt. Bis auf ein paar „Außerirdische“ wohnen nämlich alle in dieser ehemaligen Amisiedlung am Stadtrand. Nicht gerade schick, aber noch bezahlbar. Unbezahlbar sind die Nachbarschaftsbeziehungen, die sich in diesem Roman langsam, aber sicher aufbauen.
Ina, die alleinerziehende Endvierzigerin ist der Mittelpunkt der Erzählung, von ihr und ihrem Sohn Henry verzweigen sich die Nachbarschaftsbeziehungen zu so unterschiedlichen Bewohnern, dass es eine Freude ist, jeden Einzelnen kennen zu lernen, naja, fast jeden. Die Autorin erzählt ihre Geschichten aus der Vogelperspektive, das Wort Drohne hat momentan einen bitteren Beigeschmack, aber es könnte auch eine Drohne mit Kameraaugen sein, die alles betrachtet, was unten geschieht.
Zuerst geschieht nichts, Ina erinnert sich, wie sie schwanger wurde vor 18 Jahren, Pixie, der Erzeuger, war von jetzt auf gleich verschwunden, mit einer Tätowierung im Nacken, die Ina immer noch vor Augen hat. Henry erweist sich als kluges Kerlchen, aber eben vaterlos, wobei sein Freund Jamal das lebende Beispiel dafür ist, dass ein Vater nicht unbedingt ein Hauptgewinn sein muss. Ina muss die Wohnung ihrer verstorbenen Mutter ausräumen und lernt Herrn Bello, den Nachbarn kennen. Es beginnt eine Freundschaft jenseits von Konventionen, die einen durchs ganze Buch hindurch erfreut. Ich will hier nicht alle Protagonisten beschreiben, ich wünsche jedem Leser, dass er sich so an ihnen erfreuen kann, wie ich. Sei es das Ehepaar Aslan (türkisches Lebensmittelgeschäft mit Rilke-Gedichten), sei es der Koch Samy aus Sri Lanka, sei es die leicht demente Frau Krämer, sei es der Roboter aus Japan oder Anh aus Vietnam, nur Herr Garcia, Baggerfahrer aus Leidenschaft und kurz vor der Rente, sei extra erwähnt, denn er findet besagte Bombe, von der man schon auf dem Umschlagtext erfährt. Was der Bombenfund für Auswirkungen hat, kann man sich nicht ausdenken, das muss man wirklich lesen!
Frau Radulescu, die Pflege- und Putzfrau von Frau Krämer bekommt dann schon mal einen solchen Satz serviert: »Es lohnt sich doch gar nicht, dass Sie heute putzen«, sagt Frau Kaiser. »Wer weiß, ob hier morgen noch was steht. Die Wohnung muss ja nicht sauber in die Luft fliegen.« Frau Radulescu putzt trotzdem. Und Ina denkt, dann gibt es immer noch die Chance, dass davon die Welt nicht untergeht. Alle zusammen treffen sich während der Bombenentschärfung in einer Turnhalle, zwischendurch erfährt man so einiges aus dem Leben und Denken der Leute vom Kastanienbaum und dass eine undeutliche Aussprache des Wortes Pixie wohl besser hätte verstanden werden müssen. Aber hinterher ist man immer schlauer.
Mein Lieblingszitat ist „Frau Kaiser kann Süßholz nicht leiden, weder aufgebrüht noch geraspelt.“ Denn dieser Roman raspelt tatsächlich kein Süßholz, trotzdem geht er richtig ans Herz und in die Seele. Das ist schon (eine) Kunst!
Dass das wunderschöne Cover unbedingt zum Zugreifen verleitet, das muss ich noch hinzufügen. Auch die Typografie ist gefällt mir sehr. Rundum ein gelungenes Buch.

Fazit: Lesen Sie dieses Buch unbedingt, es wird Ihnen Freude machen und Sie zum Nachdenken bringen, wer ganz sensibel ist, darf sich am Ende eine kleine Träne wegwischen.

Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.