Mein FeelGood Roman des Jahres 2026

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
novi1313 Avatar

Von

An diesem Cover kommt man nicht vorbei! Die bunten Farben lassen erst auf dem zweiten Blick erkennen, dass sich dahinter Wohnungen in einem großen Hochhaus verbergen und könnte suggerieren, dass es sich hier um Eitel Sonnenschein handelt?

Der Roman beginnt einer sehr kurzen Beschreibung der Siedlung, mit der Hauptfigur Ina, die sich auf den Weg zum Zahnarzt macht und dem Gedanken, „wäre Ina nur fünf Minuten eher aus dem Haus gekommen…..“ Nein, es folgt keine schlimme Szene à la, „Was wäre, wenn“, sondern die Beschreibung, wie Ina einige andere Bewohner der Siedlung Am Kastanienbaum, die 1.583 Menschen umfasst, hätte wahrnehmen können. Ein guter Einstieg, um die wichtigsten Akteure vorzustellen und das gemeinsame Thema des Alleinseins. Frau Kaiser, die vergesslich wird, Herr Bello, der gerne Frauenkleider trägt. Daneben gibt es Frau Aslan, die gerne Gedichte in Verpackungen in Produkte ihres Lebensmittelgeschäfts legt oder Sammy aus Sri Lanka, der eine Gaststätte betreibt und noch Wünsche hat.
Ina ist alleinerziehende Mutter eines 17-jährigen Sohnes, die die Wohnung ihrer Eltern ausräumen muss und am Existenzminimum lebt. Der Vater ihres Sohnes ist ihr nicht bekannt.
Nicht zu vergessen, der Baggerfahrer Paco, der eine Bombe aus dem 2. Weltkrieg entdeckt. Als Folge dessen muss die Siedlung evakuiert werden und die Bewohner kommen sich näher.
Auch die Ausbeutung junger, illegaler Asiatinnen in einem Nagelstudio findet den Weg in die Geschichte,
Dies ist die Ausgangssituation, die die Grundlage für diesen Roman bildet.
Auf 348 Seiten erzählt Tanja Kokoska in ihrem Debütroman sehr feinfühlig über die Menschen in der Siedlung. Mit detailliertem Blick beschreibt sie diese so, dass sie mir ans Herz wuchsen. Dabei wertet sie nicht. Ihre Träume, Wünsche, Verlust, Einsamkeit finden Eingang und werden durch detaillierte Betrachtungen miteinander verwoben.
Schnell wird man mit den Protagonisten warm und möchte immer mehr über sie lesen.
Kleinigkeiten und Zufälle sind die Basis für diese feinsinnige Erzählung. Eine Erzählung, die man unendlich lange lesen möchte und die zum Sommer passt.
Durch die Evakuierung miteinander verbunden, ergibt sich aus dem Alleine sein ein Zusammenhalt und das Miteinander verändert sich zum Positiven. Doch nicht nur das, sondern auch die eigene Entwicklung ändert sich.
Die Botschaft genauer hinzuschauen, zu akzeptieren, zu tolerieren webt sich wie ein roter Faden durch den Roman.

Darf ein Happy End fehlen? Falls nein, wie und für wen gestaltet es sich? Für Alle?
Der Roman wird vermutlich nicht für die Shortlist zum Deutschen Buchpreis nominiert werden. Doch auf der Shortlist meiner Feel Good Romane in 2026 steht „Guten Morgen, schönes Wetter heute“ unbestritten.