erschreckend realistisch
Der Roman Gym von Verena Keßer hat meine Erwartungen erfüllt und mich trotzdem überrascht. Das Buch ist eine satirische Abrechnung mit Fitnesskult und Selbstoptimierung und entwickelt sich zu beklemmenden Erzählung über Körperwahn und Selbstinszenierung.
Im Zentrum steht eine Protagonistin, die bis zuletzt namenslos bleibt. Diese Entscheidung erzeugt große Nähe und gleichzeitig große Distanz. Sympathisch ist sie zu keiner Zeit. Ihre Gedanken kreisen ständig um Disziplin, Kontrolle, Kalorien, Eiweiße und darum, wie sie auf andere wirkt. Gerade diese schonungslose Innensicht macht den Roman so eindringlich. Ich war regelrecht gefangen in ihrem Kopf und konnte ihre Rationalisierungen, ihre Selbsttäuschungen und ihre zunehmende Radikalisierung hautnah miterleben. Verena Keßler nimmt dabei Stereotype und Klischees der Fitnessbranche gekonnt auf die Schippe: das übersteigerte Mindset-Gerede, toxische Positivität, Proteinriegel-Ästhetik und Social-Media-Selbstvermarktung. Vieles ist überspitzt und mit feinem, teils bitterem Humor gezeichnet. Ich habe allerdings keine Sekunde den Ernst der Lage vergessen. Hinter der Ironie lauert nämlich eine tief sitzende Verunsicherung und eine Gesellschaft, die Selbstoptimierung nicht nur fördert, sondern verlangt.
Ich habe sehr früh erkannt, wohin die Reise geht. Man erkennt die Warnzeichen, die sich auftun und kann doch nichts dagegen tun. Diese Ohnmacht überträgt sich beim Lesen unmittelbar. Gegen Ende nimmt die Geschichte sogar Züge eines Psychothrillers an. Die Atmosphäre wird zunehmend düster, die Grenze zwischen Selbstkontrolle und Selbstzerstörung verschwimmt endgültig.
Angesichts der Themen (Essstörungen, Körperhass, psychische Abwärtsspiralen, Fitnesswahn und Ernährung) hätte ich eine Triggerwarnung nicht unangebracht gefunden. Der Roman konfrontiert sehr direkt und kann durchaus belastend sein. Gerade das macht ihn jedoch auch relevant und wichtig. Gym ist kurzweilig und unterhaltsam geschrieben, mit einem guten Gespür für Tempo. Gleichzeitig ist das Buch erschreckend realistisch. Es hält unserer Gegenwart einen Spiegel vor die Nase.
Im Zentrum steht eine Protagonistin, die bis zuletzt namenslos bleibt. Diese Entscheidung erzeugt große Nähe und gleichzeitig große Distanz. Sympathisch ist sie zu keiner Zeit. Ihre Gedanken kreisen ständig um Disziplin, Kontrolle, Kalorien, Eiweiße und darum, wie sie auf andere wirkt. Gerade diese schonungslose Innensicht macht den Roman so eindringlich. Ich war regelrecht gefangen in ihrem Kopf und konnte ihre Rationalisierungen, ihre Selbsttäuschungen und ihre zunehmende Radikalisierung hautnah miterleben. Verena Keßler nimmt dabei Stereotype und Klischees der Fitnessbranche gekonnt auf die Schippe: das übersteigerte Mindset-Gerede, toxische Positivität, Proteinriegel-Ästhetik und Social-Media-Selbstvermarktung. Vieles ist überspitzt und mit feinem, teils bitterem Humor gezeichnet. Ich habe allerdings keine Sekunde den Ernst der Lage vergessen. Hinter der Ironie lauert nämlich eine tief sitzende Verunsicherung und eine Gesellschaft, die Selbstoptimierung nicht nur fördert, sondern verlangt.
Ich habe sehr früh erkannt, wohin die Reise geht. Man erkennt die Warnzeichen, die sich auftun und kann doch nichts dagegen tun. Diese Ohnmacht überträgt sich beim Lesen unmittelbar. Gegen Ende nimmt die Geschichte sogar Züge eines Psychothrillers an. Die Atmosphäre wird zunehmend düster, die Grenze zwischen Selbstkontrolle und Selbstzerstörung verschwimmt endgültig.
Angesichts der Themen (Essstörungen, Körperhass, psychische Abwärtsspiralen, Fitnesswahn und Ernährung) hätte ich eine Triggerwarnung nicht unangebracht gefunden. Der Roman konfrontiert sehr direkt und kann durchaus belastend sein. Gerade das macht ihn jedoch auch relevant und wichtig. Gym ist kurzweilig und unterhaltsam geschrieben, mit einem guten Gespür für Tempo. Gleichzeitig ist das Buch erschreckend realistisch. Es hält unserer Gegenwart einen Spiegel vor die Nase.