Fühlbare Vergangenheit

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buchgespür Avatar

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Jede Geschichte hat ihren Anfang in der Geschichte, die ihr vorangeht.

Schon mit diesem ersten Satz war ich gefangen. Als Geschichtslehrerin hat er mich sofort erreicht, weil er genau das beschreibt, was Geschichte für mich ausmacht. Vergangenheit ist nicht abstrakt. Sie lebt in Familien, in Entscheidungen, in Prägungen. Oft wissen wir gar nicht, warum sich Dinge so entwickelt haben, wie sie es getan haben, und genau dort setzt dieser Roman an. Er macht Geschichte greifbar und persönlich.

Die Sprache ist wundervoll. Sie entfaltet sofort Bilder in meinem Kopf, ohne sich aufzudrängen. Iris Wolff verwendet Ausdrücke, die wir im heutigen Sprachgebrauch kaum noch kennen und die für mich klingen wie eine Melodie aus der Vergangenheit. Sätze wie „Ich beschirmte die Augen“ wirken fast zeitlos, zart und katapultieren zurück in eine nicht so schnelle Welt wie die heutige.

Ich war so tief in diese Leseprobe versunken, dass ich gar nicht bemerkte, wie sie endete. Umso größer war der Wunsch, einfach weiterzulesen, noch ein Stück tiefer in diese Geschichte einzutauchen und ihr Raum zu geben.