Auf der Suche nach Identität

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bookworld91 Avatar

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Ein Umzug ins Ausland kann mit einem Identitätsverlust einhergehen. So auch bei Sine in Iris Wolfs Roman „Halber Stein“.

Sine ist bereits als Kind mit ihren Eltern von Siebenbürgen nach Deutschland gezogen. Nun kehrt sie zur Beerdigung ihrer Großmutter zurück- und muss feststellen, dass vieles anders ist als gewohnt…

Iris Wolf verwendet in ihrem Roman eine sehr imposante Sprache. Gebäude, Menschen und Landschaften werden anschaulich beschrieben. Oft regen die Beschreibungen, etwa die von der präsenten Natur trotz Urbanismus (S. 103) zum nachdenken an.

Hinzukommt, dass immer wieder rumänische Sprüche und Weisheiten in den Text eingewoben werden. Dies weißt auf das wichtige Thema kulturelle Identität hin- Sine spricht mit ihren Vater kein Rumänisch und fühlt sich fremd, nahezu entwurzelt. Das kommt allerdings nur verdeckt in Sines Bedauern über ihre Unkenntnis zum Ausdruck und nie direkt klar formuliert.
Der Grund für den fehlenden Ausdruck ist, dass die Charaktere eher eindimensional und blass bleiben. Es fehlen konkrete Charakterzüge, geredet wird wenig und dadurch kommen keine Bindungen zwischen Leser und Figuren zustande. Das finde ich sehr schade, da das Thema kulturelle Identität sehr viel zu bieten hat.
Auch die Handlung wird dem Thema nicht gerecht. Zwar erfahre ich als Leserin mehr über die Geheimnisse rund um Sines Oma, aber die Geschichte hat keine Bedeutung für die Gegenwart. Es werden weder klare Äußerungen getätigt noch kommt Spannung auf.

Ich finde es schade, dass eine Geschichte mit durchaus Potenzial (ein Skandal hätte zum Umzug führen können, Sine oder ihr Vater hätten sich unwissend in ein nahes Familienmitglied verlieben können…) so flach und eindimensional gemacht ist. Ich gebe 3,5 Sterne, die ich aufgrund der Sprache und dem essenziellen Thema auf 4 aufrunde. Ich bin gespannt, ob mich das nächste Buch der Autorin mehr abholen kann.