Beeindruckend erzählte Suche danach, was die eigene Heimat sein könnte

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Bereits 2012 erschien Iris Wolffs erster Roman „Halber Stein“ in Österreich. Nun hat ihn der deutsche Verlag Klett-Cotta in diesem Jahr in sein Programm aufgenommen und neu aufgelegt.

Einfühlsam, tastend erzählt Iris Wolff davon, was es heißt, sich in eine Heimat aufzumachen, von der man nicht weiß, ob sie überhaupt jemals die eigene Heimat war. Denn Sine, die Hauptfigur des Romans, kehr nach über 20 Jahren zurück in ihre Heimat Siebenbürgen. Als Kind hat sie dort gelebt, verblasst ist die Erinnerung an Rumänien.

In Deutschland ist ihre Heimat. Mit ihren Elter ist sie nach der Auswanderung nie nach Siebenbürgen mitgefahren. Erst als ihre Großmutter Agneta stirbt, fährt sie mit ihrem Vater nach Rumänien, an de Ort ihrer Kindheit. An das Haus der Großmutter kann sie sich kaum noch erinnern, verliebt sich neu in das Gebäude mit der merkwürdigen Bauweise ums Eck. Neben dem Haus, in dem sie sich auf Spurensuche macht, ist es ein Freund aus ihren Kindheitstagen, der ihr zur Seite steht und ihre Erinnerungen wieder zu Vorschein bringt.

Sine lernt dabei nicht nur ihre Großmutter neu kennen und lüftet dabei auch noch ein Geheimnis, sondern erfährt auch viel darüber, was es hieß, unter den kommunistischen Machthabern als Siebenbürger Sachse in Rumänien zu leben und wie sich das Leben dort nach der Wende veränderte, als viele – wie Sines Eltern – ausreisten.

„Halber Stein“ gelingt es, die Spurensuche der jungen Sine zu verknüpfen mit einem liebevollen Blick auf Siebenbürgen. Dabei wird der Verlust, den Sine spürt, obwohl sie nie Interesse an ihrer alten Heimat gezeigt hat, deutlich. Jetzt, wo das Haus der Großmutter vor ihren Augen ist, bemerkt sie, was es für sie bedeutet, wenn das Haus nun verkauft werden soll. Genauer gesagt: Dass das überhaupt etwas mit ihr macht. Denn erst jetzt wird diese Heimat für sie greifbar, flackern Erinnerungen auf, die sie nachdenklich machen. Denn mit dem Verkauf des Hauses ist dann auch der Verlust von Heimat für sie verbunden.

Vielleicht ist Sines Reaktion auch deshalb so stark, weil sie selbst gerade an einem Scheideweg steht: Sie hat ihr Studium in Deutschland beendet, weiß noch nicht, was sie beruflich machen will, ihre Beziehung ist am Ende. Aus den Vorbereitungen der Beerdigung hält Sine sich heraus. Stattdessen erkundet sie mit ihrem Freund aus Jugendtagen, der in Siebenbürgen geblieben ist die Gegend, zu der auch das Naturdenkmal des „Halben Steins“ gehört, der dem Buch den Titel gegeben hat. Sinnbildlich steht er für den Verlust einer Heimat, die Sine zuvor nie als solche angesehen hat.

Gerade das, neben der Sprache, die einen mit hineinnimmt in Sines Gefühlschaos, macht die Faszination des Romans aus.