Ein atmosphärisches Debüt

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worte.wald Avatar

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"Wieso wusste man nicht, dass man einem Menschen zum letzten Mal begegnete?"

Friedesine, die eigentlich nur Sine genannt wird, kehrt gemeinsam mit ihrem Vater in ihre Heimat Michelsberg bei Siebenbürgen zurück, nachdem die Familie die Nachricht erhalten hat, dass ihre Oma Agneta verstorben ist. Während sich der Vater um die Beerdigung und die Verwaltung des Erbes kümmert, taucht Sine wieder ein in die Landschaft ihrer Kindheit und die Freundschaft zu Julian, einem Nachbarn.

Dieses Buch ist so klar und deutlich ein Iris Wolff-Buch. Die atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen, die Geschichte der deutschen Aussiedler*innen in Rumänien - ich fand beides großartig. Es ist ein sehr ruhiges Buch, auch weil die Protagonistin Sine in Trauer ist. Sie trauert um ihre Großmutter, die sie viel zu selten besucht hat, aber auch um ihre Kindheit, die sie sorglos hinter sich gelassen hat.

Die geschichtlichen Hintergründe wurden sehr gut in die Geschichte eingewoben, ich fand es sehr spannend, wie Sine nach und nach ihren plötzlichen Wissensdurst stillen konnte. Auch die Szenen mit Julian haben mir gut gefallen, auch wenn es mich emotional gerne noch etwas mehr hätte erreichen können.

Ein sehr empfehlenswerter Roman, der sich durch Melancholie aber auch eine gewisse Sanftheit auszeichnet.

4/5 Sterne

"Darauf gibt es keine Antwort. Es wird immer nur die Frage geben."