Fernes nahes Land

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ingohmes Avatar

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Das ist das zweite Buch, das ich von Iris Wolff lese. Beide Bücher haben als Hintergrund das Leben in Siebenbürgen. Eine Region, die heute den Meistens völlig unbekannt ist, wer weiß noch, wo es liegt… Eine Region, die seit Jahrhunderten von immer neuen Machthabern geprägt wurde, eine Region, in der einst fast überwiegend deutsch gesprochen wurde, eine Region, die dann aber nach und nach ihre, „Sachsen“ genannten, Einwohner verlor.
Auch Sines Eltern haben diese Region verlassen und sich voller Hoffnung aufgemacht ins ferne und fremde Deutschland. Agneta, ihre Großmutter, ist in Siebenbürgen geblieben, gelegentlich zu Besuch nach Deutschland gekommen, aber immer wieder gerne zurückgefahren. Dort hatte sie ihre Wurzeln. Sine ist sich nicht sicher, wo ihre eigenen Wurzeln sind. Als Agneta stirbt und Sine mit ihrem Vater nach Siebenbürgen fährt, um die Beisetzung und die dadurch bevorstehende Haushaltsauflösung in die Wege zu leiten, kommen Erinnerungen zurück.
In ihrer schöner Sprache mit gut formulierten Sätzen nimmt uns Iris Wolff an die Hand und zieht uns in ihre Erinnerungen hinein. Wir lernen mit ihr zusammen Nachbarn, Freunde kennen, erforschen das Haus und den Garten von Agneta. Sie erzählt uns von ihren Kinderstreichen, mit ihr und Julian, ihrem Freund aus Kindertagen, erkunden wir die Gegend rund um ihren Heimatort Michelsberg. Und dringen immer tiefer auch in die Geschichte von Agneta ein. Welch großartige Frau!
Das Buch erzählt von Verlust und Finden, von Zweifel und Gewissheit, von Vergessen und Erinnern, von Heimatlosigkeit und Heimatliebe, von Weggehen und Ankommen, von Suchen und Bleiben.
Es ist ein wundervolles Buch!