Leider der falsche Zeitpunkt

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shizu_reads Avatar

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Poetisch, bildgewaltig, sanft – aber leider zum falschen Zeitpunkt zu mir gekommen. Nachdem mir Lichtungen von Iris Wolff richtig gut gefallen hatte, habe ich beschlossen, auch ihre anderen Bücher zu lesen.

Halber Stein begleitet Edda und ihren Vater zurück in die Heimat, die sie verlassen haben, als Edda noch ganz klein war. Es ist ihr erster Besuch seit Jahren, denn ihre Großmutter ist gestorben. Man begleitet sie dabei, wie sie Haus und Gegend neu erkundet und dabei auf alte Erinnerungen stößt. Es geht um Familie, Heimat und Nachlass.

Iris Wolff schreibt so fein und detailreich, dass die Bilder ganz leicht im Kopf entstehen. Das ist einerseits wunderschön, andererseits zieht sich die Geschichte dadurch etwas in die Länge. Manchmal fühlte ich mich in den Details verloren – und damit auch in der Geschichte selbst. Die Handlung rückte für mich in den Hintergrund, und ich hatte keine klare Vorstellung davon, worauf alles hinauslaufen sollte. Das ist an sich nichts Schlechtes, aber es hat mich leider überhaupt nicht abgeholt.

Ich mag es eigentlich sehr, wenn ein Text umschreibend und detailreich ist. Doch dieses Mal hat es mich eher blockiert. Ich begann, über Zeilen zu springen – und schließlich habe ich das Buch abgebrochen.

Ich wurde einfach nicht warm mit der Geschichte und den Charakteren. Sie blieben für mich so sehr auf Abstand, dass ich keine echte Verbindung aufbauen konnte. Die Umgebung wirkte greifbarer als die Personen, die eher leise mitschwingen. Für mich war es einfach der falsche Zeitpunkt für dieses Buch.

Im Sommer werde ich ihm noch einmal eine Chance geben, denn es zieht mich immer noch an – aber gerade passt es einfach nicht.