Melodie der Heimat
Nach über zwanzig Jahren kehrt Sine, eigentlich Friedesine, in das Haus ihrer Großmutter nach Siebenbürgen zurück. Anlass ist die Beerdigung von Oma Agneta, die geblieben ist. Für sie war Michelsberg immer Heimat. Die Siebenbürger Sachsen lebten dort als Minderheit, verwurzelt in Sprache, Bräuchen und einer Landschaft, die mehr war als nur Kulisse.
Für Sine wird das Haus zum Erinnerungsort. Sie ist im Alter von vier Jahren mit ihren Eltern ausgewandert und lange nicht zurückgekehrt. Nun bedauert sie, nicht früher zurückgekommen zu sein. Jeder Duft, jeder Baum, jede vertraute Geste ruft die Kindheit wach. Je länger sie bleibt, desto deutlicher spürt sie die tiefe Verwurzelung mit diesem Ort, der sie geprägt hat und den sie nie ganz verlassen konnte. Sie gehört dazu, zumindest zur Hälfte. Wie Agnetas Herz, das nicht nur einem Menschen galt, wie der „Halbe Stein“, Wahrzeichen Michelsbergs und titelgebendes Symbol des Romans.
Iris Wolffs Schreibstil ist poetisch und stark atmosphärisch. Gegenwart und Erinnerung verschmelzen fließend miteinander, Rückblenden durchziehen den Text und machen Sines Suche nach Identität, Heimat und Zugehörigkeit spürbar. Immer wieder stellt sich die Frage, ob Heimat ein Ort ist oder ein Gefühl, und wo unsere Wurzeln liegen, wenn wir sie einmal verlassen haben.
Besonders eindrücklich sind die Bilder der Kindheit. Der Duft nach wilder Kamille, Gärten mit Brunnen und Obstbäumen, die sächsische Mundart, überlieferte Bräuche und das traditionelle Handwerk der Strohflechterei zeichnen ein dichtes, sinnliches Bild dieser Welt. Ein Satz fasst dieses Lebensgefühl besonders schön zusammen: „Glück bestand in der Freiheit, den Tag zu beginnen, wie man wollte, und gleichzeitig von dem gelenkt zu sein, was Wetter und Zufall vorgaben.“ (Zitat S. 82)
So sehr mich die sprachliche Schönheit und die atmosphärische Dichte auch berührt haben, verliert sich der Roman für mein Empfinden stellenweise zu sehr in Landschaftsbeschreibungen und Erinnerungsräumen. Das Hier und Jetzt bleibt dabei oft im Hintergrund.
Auch zu den Figuren konnte ich keine wirkliche Nähe aufbauen. Weder Sine noch ihr Vater oder Julian haben für mich nachhaltig an Kontur gewonnen. Dennoch bleiben einzelne Bilder, Stimmungen und Gedanken zur Heimat haften. Leise, zurückhaltend und getragen von einer Sprache, die mehr fühlt, als sie erklärt.
Für Sine wird das Haus zum Erinnerungsort. Sie ist im Alter von vier Jahren mit ihren Eltern ausgewandert und lange nicht zurückgekehrt. Nun bedauert sie, nicht früher zurückgekommen zu sein. Jeder Duft, jeder Baum, jede vertraute Geste ruft die Kindheit wach. Je länger sie bleibt, desto deutlicher spürt sie die tiefe Verwurzelung mit diesem Ort, der sie geprägt hat und den sie nie ganz verlassen konnte. Sie gehört dazu, zumindest zur Hälfte. Wie Agnetas Herz, das nicht nur einem Menschen galt, wie der „Halbe Stein“, Wahrzeichen Michelsbergs und titelgebendes Symbol des Romans.
Iris Wolffs Schreibstil ist poetisch und stark atmosphärisch. Gegenwart und Erinnerung verschmelzen fließend miteinander, Rückblenden durchziehen den Text und machen Sines Suche nach Identität, Heimat und Zugehörigkeit spürbar. Immer wieder stellt sich die Frage, ob Heimat ein Ort ist oder ein Gefühl, und wo unsere Wurzeln liegen, wenn wir sie einmal verlassen haben.
Besonders eindrücklich sind die Bilder der Kindheit. Der Duft nach wilder Kamille, Gärten mit Brunnen und Obstbäumen, die sächsische Mundart, überlieferte Bräuche und das traditionelle Handwerk der Strohflechterei zeichnen ein dichtes, sinnliches Bild dieser Welt. Ein Satz fasst dieses Lebensgefühl besonders schön zusammen: „Glück bestand in der Freiheit, den Tag zu beginnen, wie man wollte, und gleichzeitig von dem gelenkt zu sein, was Wetter und Zufall vorgaben.“ (Zitat S. 82)
So sehr mich die sprachliche Schönheit und die atmosphärische Dichte auch berührt haben, verliert sich der Roman für mein Empfinden stellenweise zu sehr in Landschaftsbeschreibungen und Erinnerungsräumen. Das Hier und Jetzt bleibt dabei oft im Hintergrund.
Auch zu den Figuren konnte ich keine wirkliche Nähe aufbauen. Weder Sine noch ihr Vater oder Julian haben für mich nachhaltig an Kontur gewonnen. Dennoch bleiben einzelne Bilder, Stimmungen und Gedanken zur Heimat haften. Leise, zurückhaltend und getragen von einer Sprache, die mehr fühlt, als sie erklärt.