Schöne Sprache!

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mitchwlb Avatar

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In ihrem Debütroman erzählt Iris Wolff mit einer sprachlichen Feinfühligkeit, die von der ersten Seite an erkennen lässt, welch außergewöhnliches Gespür sie für Worte besitzt. Gemeinsam mit ihrem Vater reist Sine nach Siebenbürgen zur Beerdigung der Großmutter Agneta – eine Rückkehr in das Land ihrer Kindheit, das sie seit zwanzig Jahren hinter sich gelassen hat. Doch kaum ist sie angekommen, steigen Bilder, Gerüche und Erinnerungen in ihr auf, die lange verschüttet schienen.

Was diesen Roman besonders macht, ist weniger das äußere Geschehen als die Art, wie es erzählt wird. Still und zugleich eindringlich entfaltet sich die Geschichte, getragen von einer poetischen, melodischen Sprache. Iris Wolff findet überraschende, zugleich zarte Bilder und Vergleiche, die sich behutsam in den Text einfügen und eine dichte, sinnliche Atmosphäre entstehen lassen. Empfindungen, Farben und Gerüche erhalten Raum, sich zu entfalten – und genau darin zeigt sich bereits im Erstlingswerk ihre beeindruckende sprachliche Souveränität.

Mit großer Sicherheit und Eleganz führt sie ihre Leserinnen und Leser durch Sines Annäherung an die eigene Vergangenheit, an die Geschichte der Großmutter und an die Frage nach Heimat. Zugleich gewährt der Roman einen leisen, aber eindrücklichen Einblick in die sich wandelnde Welt der deutschen Minderheit in Rumänien. Dass eine Autorin schon in ihrem ersten Werk derart virtuos mit Sprache umgehen kann, macht dieses Buch zu einem bemerkenswerten und mehr als gelungenen Debüt.