Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies

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In diesem Buch geschieht nicht viel an äußerer Handlung - dafür malerische Bilder, leise Töne, detaillierte Beschreibung der Landschaft, Häuser und Einrichtung im Haus der Großmutter. Die Autorin verliert sich in Erinnerungen, lässt sich von Natur und Umgebung, Düften und Farben in ihre Kindheit zurückversetzen, wo sie viele Sommer in dem weitläufigen Haus in Siebenbürgen verbrachte.
Diese Gegend wurde seit dem 12. Jahrhundert von Sachsen besiedelt, die ihre Traditionen, Kunsthandwerk, Sitten und Gebräuche beständig beibehalten haben. Alles im Dorf scheint gewachsen und nie gewaltsam verändert zu sein. Gastfreundschaft und Geselligkeit prägen heute noch das Zusammenleben. Zur Beerdigung der Großmutter finden sich viele Bekannte von früher ein. Dabei werden alte Verbindungen, Freundschaften und Abneigungen sichtbar. Man erfährt, dass der Großvater früher eine Färberei betrieben hatte, die jedoch vom Vater der Autorin nicht auf Dauer übernommen wurde, weil der lieber Kunst studierte. Julian, der Freund aus der Kindheit, ist aus Pflichtgefühl gegenüber seiner Familie in dem Ort geblieben, und sie lernt von ihm vieles, das ihr in Deutschland nicht bewusst wurde. Iris Wolffs Geschichte lebt von den Zwischentönen - und ist für sie an dieser Stelle noch nicht vorbei.
Der Buchtitel "Halber Stein" bezeichnet nicht nur einen besonders geformten Felsen in der Nähe ihres Heimatdorfes, sondern steht auch symbolisch für das Gefühl, nicht komplett zu sein, oder weder ganz in Deutschland noch in Rumänien zu Hause zu sein.