Tiefgründig
Nachdem ich Halber Stein ganz gelesen habe, habe ich das Buch mit einem stillen, nachdenklichen Gefühl aus der Hand gelegt. Iris Wolff erzählt ruhig und konzentriert, ohne große Gesten, und genau darin liegt für mich die besondere Stärke dieses Romans. Die Sprache ist klar und poetisch, unaufgeregt und dennoch sehr eindringlich, weil sie viel Raum für eigene Gedanken, Erinnerungen und Empfindungen lässt. Besonders berührt hat mich, wie behutsam und selbstverständlich sie Themen wie Herkunft, Verlust, Erinnerung und Verbundenheit miteinander verwebt. Nichts wird erklärt oder ausgestellt, vieles bleibt angedeutet – und gerade dadurch entfaltet der Text seine Tiefe. Die Figuren wirken zurückhaltend, fast scheu, und doch sehr lebendig, so als würden sie innerlich weitergehen, auch nachdem die letzte Seite gelesen ist. Halber Stein ist für mich kein Buch, das man einfach konsumiert, sondern eines, das man langsam liest und nachwirken lässt. Es ist leise, fein beobachtet und bleibt lange im Kopf und im Gefühl – ein stiller Roman mit großer innerer Kraft.