Was ist Heimat?

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Auch der neu aufgelegte Debütroman von Iris Wolff spielt in Siebenbürgen.
Es geht wieder um Heimat, Familie, Erinnerungen und Zukunft.
Sines geliebte Großmutter ist gestorben. Zum Begräbnis reist sie mit ihrem Vater in das Dorf, indem Oma immer gewohnt hat. Sine erkundet das Haus und die Umgebung und hängt dabei vielen Erinnerungen nach. Auch an Julian, ihren Kindheitsfreund, der immer noch nebenan wohnt.
Außerdem befindet sich Sine gerade in einer Zwischenphase. Das Studium ist abgeschlossen, sie weiß seit Monaten nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll.
Iris Wolff spielt geschickt mit den Zeiten. SO beschreibt sie in Episoden auch, wie es Sine, vor allem am Anfang, in Deutschland als Flüchtling ergangen ist.
In Rumänien gelten die Siebenbürgern als Deutsche, in Deutschland als Rumänen. So kommen sie nirgendwo richtig an.
Viele aus dem Dorf sind nach Deutschland gegangen, nur ein kleiner Rest, vor allem alte Menschen wollen ihre Heimat nicht verlassen.
Aber ist es noch die Heimat, wenn die Familie weg ist?
Obwohl Sine im Haus der Großmutter viele glückliche Sommer erlebte, ging sie nicht mehr zurück, sah die Oma nur noch bei deren Besuchen in Deutschland.
So verwinkelt und geschichtsträchtig das jetzt verlassene Haus ist, so nahm auch die Geschichte der Familie innige Umwege.
Über Freunde der Großmutter kommt sie auch hinter deren Geheimnis.
Das Buch ist atmosphärisch unheimlich dicht. Ich spürte die Spätsommerhitze auf der Haut, roch die Blumen und den Wald. Wolff erzählt unheimlich anschaulich und dabei auch tiefsinnig. In späteren Büchern empfand ich ihren Stil allerdings verdichteter, hier ist er ein wenig episch. Doch ganz eindeutig möchte sie ihren LeserInnen die Schönheit des Landes aufzeigen, in dem auch sie selbst aufwuchs, wahrscheinlich ähnlich wie Sina.
Trotz des offenen Endes eine runde Sache!