Wie auf Wellen getragen

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salo.blke Avatar

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Wie lässt sich dieses Buch in die richtigen Worte fassen? Vielleicht so: Beim Lesen fühlt man sich wie auf sanften Wellen getragen, gleitend und beinahe schwerelos, in einem stetig weiterfließenden Strom aus Sprache. Der Text gerät nie ins Stocken, sondern bewegt sich ruhig und gleichmäßig voran.

Es ist ein Buch, das man weniger der Handlung wegen liest als um der Worte willen. Die Sprache steht klar im Vordergrund. Man kann Sätze aufnehmen, sie nachklingen lassen, ohne gehetzt durch die Seiten zu eilen, weil eine dramatische Spannung zum Weiterlesen drängt.

Gleichzeitig hätte ich mir gewünscht, dass das Buch genau an dieser Stelle noch etwas mehr wagt – vielleicht etwas mehr Spannung oder eine tiefere emotionale Intensität entwickelt. Trotz der ruhigen Atmosphäre blieb bei mir eine gewisse innere Distanz.

Der Hauptcharakter ist durchaus vielschichtig, besonders in ihren Gedanken und inneren Reflexionen. Dennoch hatte ich am Ende nicht das Gefühl, sie wirklich in ihrer Tiefe erfasst zu haben. Sie blieb mir ein Stück weit fremd. Auch das offene Ende hat mich nicht ganz überzeugt; es passt zwar zur leisen Erzählweise, hinterließ bei mir jedoch eher Unzufriedenheit als Erfüllung.

Letztlich scheint die Figur auf der Suche zu sein – nach Freude, Erfüllung, Leichtigkeit, vielleicht auch nach Sinn und Zugehörigkeit. Und ich persönlich glaube, dass dieser Sinn nur an einer Stelle wirklich zu finden ist: in Jesus Christus. Nur dort liegt der tiefere Halt, den das Buch andeutet, aber nicht ausformuliert.

Dennoch hat mir das Buch insgesamt gut gefallen. Besonders das Cover ist außergewöhnlich – es liegt unbeschreiblich schön in der Hand. Eine solche Textur habe ich zuvor noch nie erlebt; hier ist wirklich etwas Besonderes gelungen. Auch der Schreibstil ist bemerkenswert: sehr fein formuliert, detailverliebt und aufmerksam für kleine Nuancen, ohne diese zugunsten der Handlung zu opfern.