Frisch und ungewöhnlich
"Halbwach" startet mit einem herzerwärmend ehrlichen Intro, dass mich von seinem Vibe und Beat her direkt für sich eingenommen hat. "Ich war einfach ein Arschloch" sagt die Protagonistin - und zeigt genau damit, dass sie wahrscheinlich genau das nicht ist. Zwischen Tagebucheinträgen, Emails und Erzählpassagen wechselnd, lernen wir mit Zoe eine eigensinnige, starke Frau kennen, die wie verrückt Grenzen austestet und überschreitet - will sie sich dabei spüren, hat sie sich verloren, oder ist sie einfach ganz genau okay so? Der Gegenentwurf zu ihr ist ihre Freundin Marie, die eher ein klassisches Lebensbild verfolgt - und weil das Leben auch klassisch ist, gerät sie immer an die miesen Typen und Zoe an die, die sich binden wollen - wenn man Leben in Teilbereichen doch nur tauschen könnte. Zoe sucht nach ihrer Stimme in der Literatur und nach dem Erfolg - die Autorin von Halbwach dagegen kann nur welchen haben, denn ihre Stimme ist so frisch und authentisch, dass ich die ersten Seiten nur so durchflogen habe. Dabei weht auch Feminismus unterschwellig durch die Zeilen, was mir sehr gefällt. Bleibt zu hoffen, dass Mael in Zoe zwar etwas Neues auslöst, sie aber nicht ins klassische Weibchenschema verfällt - das wäre schade um diese Figur. Ich würde mich freuen, weiter an Zoes Seite verweilen zu können. Ich rezensiere auf allen gängigen Seiten und Foren.