Zwischen Selbstschutz und Sehnsucht

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maison.tania Avatar

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Diese Leseprobe hat mich überrascht. Auf den ersten Blick wirkt Halbwach wie eine moderne Romance mit einer selbstbewussten Protagonistin, doch schon nach wenigen Seiten wird deutlich, dass hier viel mehr verhandelt wird als eine Liebesgeschichte.
Zoe ist keine Figur, die man sofort einordnen kann. Sie schreibt Liebesromane, glaubt aber selbst längst nicht mehr an die Liebe. Sie hält Menschen auf Abstand, beendet Beziehungen, bevor sie wirklich entstehen können, und verteidigt ihre Unabhängigkeit mit einer Entschlossenheit, hinter der man schnell etwas anderes vermutet: Verletzlichkeit. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht sie für mich so interessant. Sie ist nicht immer sympathisch, aber durchgehend authentisch.
Besonders gefallen hat mir die Ehrlichkeit, mit der Sophia Como über Bindungsängste, Selbstschutz und moderne Beziehungen schreibt. Die Dialoge wirken lebendig und ungefiltert. Viele Gedanken von Zoe sind provokant, manchmal überspitzt, aber genau dadurch entsteht das Gefühl, einer echten Person zuzuhören und keiner literarisch glattgebügelten Romanfigur.
Auch die Atmosphäre hat mich sofort abgeholt. Das nächtliche Frankfurt mit seinen Gegensätzen aus Glanz und Einsamkeit, Bars, Clubs und leeren Straßen bildet eine passende Kulisse für eine Geschichte über Menschen, die nach Nähe suchen und gleichzeitig vor ihr davonlaufen. Zwischen Freundschaften, Dating, Erfolgsdruck und Selbstzweifeln entsteht ein Bild einer Generation, die nach Orientierung sucht und dabei oft nicht weiß, wonach sie eigentlich sucht.
Besonders nachdenklich gemacht hat mich die Frage, die zwischen den Zeilen immer wieder auftaucht: Was passiert, wenn man sich so lange vor Verletzungen schützt, dass man irgendwann auch die schönen Gefühle nicht mehr an sich heranlässt? Zoe wirkt stark, schlagfertig und unabhängig, doch immer wieder blitzen Momente auf, in denen man die Müdigkeit hinter dieser Fassade spürt.
Mit Mael wird schließlich eine Figur eingeführt, die sofort Spannung erzeugt. Nicht wegen eines klassischen Funkenflugs, sondern weil man das Gefühl hat, dass er etwas in Zoe erkennt, das sie selbst längst verdrängt hat.
Die Leseprobe endet genau an dem Punkt, an dem die eigentliche Geschichte erst zu beginnen scheint. Zurück bleibt die Neugier, mehr über Zoe, ihre Vergangenheit und die Gründe für ihre innere Distanz zu erfahren. Für mich verspricht Halbwach ein emotionaler Roman über Bindung, Verlust, Selbstfindung und die Frage zu werden, ob man lernen kann, Nähe zuzulassen, ohne sich selbst zu verlieren.