Am Leben vorbeigelebt?

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lin8208 Avatar

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Das Buch konnte mich schnell für sich einnehmen. Zoe, die Protagonistin, ist ein facettenreicher Charakter, dessen Entwicklung einen von Anfang an tief in ihr Leben eintauchen lässt.
Besonders hervorzuheben ist, dass hier kein 08/15-Roman vorliegt. Zoe schreibt als Bestsellerautorin Liebesromane, hält im echten Leben jedoch jede Form von Nähe und Gefühle konsequent auf Abstand. Liebe? Nein danke. Familie? Schwierig. Freundschaften? Eng, und trotzdem distanziert. Ein Schutzmechanismus, dessen Ausmaß zunächst gar nicht offensichtlich ist.
Die Autorin schafft es hervorragend, genau diese innere Zerrissenheit greifbar zu machen. Zoes Gefühle werden auf einer emotionalen Ebene spürbar, ihre Beziehungen entwickeln Tiefe und ihre Beweggründe werden nach und nach verständlich. Dadurch wirkt sie authentisch und unglaublich nahbar, obwohl sie andere Menschen bewusst auf Abstand hält.
Gerade diese Mischung aus emotionaler Distanz und innerer Verletzlichkeit macht Zoe zu einer Protagonistin, die in Erinnerung bleibt. Ihre Gedankengänge waren für mich durchweg nachvollziehbar und wirkten ehrlich sowie authentisch. So kann man sich an der ein oder anderen Stelle vielleicht sogar selbst wiederfinden.
Auch den Titel "Halbwach" empfinde ich als unglaublich passend und kreativ gewählt. Er spiegelt Zoes Leben auf schöne Weise wider: Sie gibt immer nur einen Teil von sich preis und lässt andere nie vollständig an sich heran. Dadurch wirkt es, als würde sie nie wirklich leben, sondern immer nur halb wach sein, gefangen zwischen Selbstschutz und dem Wunsch nach echter Nähe.