Echte Selbstliebe-Reise

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marcello Avatar

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Ähnlich wie bei „Pina fällt aus“ bin ich auf „Halbwach“ von Sophia Como durch begeisterte Leserstimmen gestoßen, denn es ist einfach nicht das klassische Genre, in dem ich mich aufhalte und immer informiere. Aber da sind Perlen zu entdecken, auf jeden Fall, deswegen habe ich „Halbwach“ auch gerne eine Chance gegeben und wurde nicht enttäuscht.

Como ist mir von ihren Covern her zwar schon optisch begegnet, aber als Autorin ist sie mir kein Begriff gewesen, man kann einfach nicht alle mitbekommen. Aber sie war Romance Autorin und sie hat auch relativ frisch angekündigt, dass mit ihrer September-Erscheinung ihre Romance-Ära enden wird. Es ist also davon auszugehen, dass sie sich mehr im Stil von „Halbwach“ bewegen wird und das klingt vielversprechend. Ich habe den Roman als Hörbuch gehabt. Gelesen von Josi Wismar, ebenfalls eine deutsche Autorin, von der ich noch nichts gelesen habe, deren Podcast ich aber kenne und die sich inzwischen immer mehr als Hörbuchsprecherin ausprobiert. Ich fand die Kombi von Comos Grundidee und Wismars Stimme sehr gelungen. Sie hat für mich Zoe sehr gut verkörpert und mir ihre Handlungen und Gefühlswelten sehr überzeugend nahe gebracht.

Gerade mit Comos kürzlicher Ankündigung kann man davon ausgehen, dass sich bei „Halbwach“ und ihrer eigenen Autorinnenwelt sehr viele Parallelen auftun, ohne das aber final einordnen zu wollen. Ich wollte es nur erwähnen, weil es für mich auch erklärt, warum sich „Halbwach“ von vorne bis hinten so real anfühlt. Weil da echte Geschichten drinstecken, ob nun von Como selbst oder von anderen echten Menschen, das ist dann gar nicht so wichtig. Wichtig ist aber, sich so abgeholt zu fühlen, so viele der eigenen Gedanken und Gefühle widergespiegelt zu sehen und einfach wieder zu merken: Ich bin nicht alleine, andere drehen sich auch tausend mal gedanklich im Kreis und kommen doch nicht raus. Meine Lebenswelt und die von Zoe unterscheiden sich in sehr vielen Punkten und trotzdem haben sich erschreckend viele Parallelen aufgetan. Und deswegen waren gerade die Sequenzen, als Zoe bei ihrer Therapeutin ist, wie eine Meta-Sitzung für mich selbst angefühlt. Ich bin ein sehr selbstreflexiver Mensch und ich habe auch schon viele Erkenntnisse glücklicherweise erlangt, die mich Ballast haben abwerfen lassen und die mich auch mal haben ausbrechen lassen, um dann wieder heilen zu können. Und trotzdem gibt es immer noch einen Weg, der zu beschreiten ist und dementsprechend war das Buch auch heilsam, weil ich wieder erinnert wurde, was ich geschafft habe und was noch vor mir liegt.

„Halbwach“ ist auch so ein Buch, was mich von Seite zu Seite mehr gepackt hat. Am Anfang ist mir Zoe eher noch fremd, weil ich wie gesagt manche biographischen Aspekte gar nicht teile und dementsprechend andere Muster entwickelt habe. Da war dann also eine Distanz. Auch später trifft Zoe viele Entscheidungen, für die ich sie gerne geschüttelt habe, aber da war dann der Punkt erreicht, wo ich sie schon so gut verstehen konnte, dass ich einfach nur noch mitgefiebert habe. Ich habe ihr wichtige Erkenntnisse gewünscht. Ich wollte, dass es mit ihrer Familie richtig rausbricht. Ich habe mit ihr für andere Figuren ein Aufwachen erhofft. Da wollte ich dann immer nur weiterhören, wohlwissend, dass es am Ende nicht all das liefern wird, was man aus Romance kennt. Aber das war dann auch nicht schlimm, weil wir Zoe entlassen an einem Punkt, wo sie so viel geschafft hat und wo ich mit ihr was geschafft habe, sodass ich einfach nur stolz war.

Eins möchte ich auch noch erwähnen. Nein, es ist kein Romance-Buch im klassischen Sinn, aber es war verdammt viel Romantik drin und zwar in der Liebe für einen selbst. Die Figuren waren in ihrer Gestaltung auch so konsequent und klar, dass auch verschiedene Stufen von Selbstliebe abgebildet waren. Und schon so oft habe ich den weisen Rat gehört, dass man sich erst richtig verlieben kann, wenn man sich selbst lieben gelernt hat. Und das wird hier ausdrücklich gezeigt. Es ist nicht nur Zoe auf dem Weg zur Selbstliebe, es ist auch Marie, es sind auch die anderen, jeder auf seine Weise. Und mit dem Ende ist dann der Startschuss nahe, dass es da ein richtig gutes Romance-Buch werden könnte, egal wie das konkret aussehen könnte, ob nun in einer partnerschaftlichen Romantik oder mit der Romantik für eine konkrete Leidenschaft. Das Buch hat mir sehr viel zu denken gegeben und das ist eigentlich das größte Geschenk.

Fazit: „Halbwach“ ist eine große Überraschung für mich in diesem Jahr und das im absolut positiven Sinne. Sophia Como hat für mich eine so authentische Geschichte geschaffen, die von Seite zu Seite intimer und echter wird. Sie kann Heilung schenken, Hoffnung und Stolz auf Geschaffenes. Gerade weil die Charaktere so unperfekt sind, aber dafür wie die Menschen um mich herum. Ich spreche eine absolute Empfehlung aus!