Leider nicht überzeugend
Leider habe ich nach ca. 17 % entschieden, das Buch abzubrechen. Meine Beweggründe haben dabei nichts mit der Story an sich zu tun (die könnte, denke ich, noch gut und unterhaltsam werden), sondern mit der Art des Erzählens der Autorin.
1. Der Roman will feministisch sein, ist dabei aber sehr selektiv. Die Protagonistin wirkt als Figur zu Beginn sehr reflektiert (dass sie vermutlich bindungsängstlich ist, ist ein anderes Thema, das im Laufe des Romans hoffentlich noch aufgearbeitet wird?), doch der feministische Aspekt scheint nur beim Thema Männer zu gelten. Relativ zu Beginn (bei ca. 2 %) findet sich beispielsweise diese Stelle:
"Ich muss traurig schmunzeln. Ja, ich weiß, wie die Männer sind. Männer selbst wissen, wie Männer sind. Und tun doch so, als wären sie davon ausgenommen. Besitz, Tarnung, Kontrolle. Die uralte Leier."
oder nur wenig später (3 %), im Gespräch mit ihrem Ex:
"(…) Eine Frau gehört dir nicht, auch nicht, wenn du mit ihr verheiratet bist, und erlauben musst du ihr gar nichts. Wir Frauen sind erwachsene Menschen, die eigene Entscheidungen treffen können und nicht die Erlaubnis von unsicheren Männern brauchen."
Eindeutig hat die Protagonistin sich mit Feminismus beschäftigt, daher passt es für mich nicht zusammen, dass sie in anderen Bereichen komplett uneducated wirkt. Beispielsweise führt sie wieder nur wenig später (ca. 11 %) diesen Gedanken aus:
"(…) probierte Kleider und Hosen an, an denen bis heute das Preisschild hängt, weil die Klamotten zwar heiß, aber mein Körper noch nicht heiß genug für sie ist. Bei manchen Kleidern fehlt mir etwas Rundung an den Hüften, bei anderen sitzt die Taille zu eng, einige Hosen tragen an den Oberschenkeln auf, aber sie könnten gut aussehen, irgendwann, wenn ich mein Ziel im Gym erreicht habe."
Jemand, der so informiert wirkt, misogynes Verhalten outcalled und einen feministischen Kalenderspruch nach dem anderen raushaut (dazu im nächsten Punkt mehr), hat sich noch nie mit Body image beschäftigt und führt solche Gedanken aus? Für mich unglaubwürdig.
2. Die Art, wie die Autorin die Innenwelt der Protagonistin erzählt, ist für mich einfach viel zu platt und plakativ. Feminismus scheint ein großes Thema zu sein und ist dabei aber so unelegant integriert, dass es mich nach kürzester Zeit leider einfach genervt und letztlich zum Abbruch des Romans geführt hat. Es wirkt, als hätte die Autorin alle schlauen Denkansätze, die sie jemals auf Social Media gelesen hat abgespeichert und versucht, all das nun in diesen Roman zu quetschen. Jede:r, der ein bisschen Zeit auf Social Media verbringt, hat alle diese Gedanken vermutlich schon irgendwann irgendwo mal gelesen. Diese Themen in ein Buch zu integrieren ist dabei natürlich nicht das Problem, im Gegenteil, spread the word, aber ich hätte es mir subtiler oder origineller gewünscht/erwartet und nicht gefühlt copy, paste and done. Ein weiteres Beispiel dafür, ein (zurecht) heiß diskutiertes Thema in der Bookbubble (bei ca. 16 %):
"Dies ist das Licht, in das das Romance-Genre so oft gestellt wird: kitschige Geschichten von Frauen für Frauen - keine echte Literatur. Lediglich Eskapismus mit Herzklopfen. Und gleichzeitig reproduziere ich dieses Bild täglich."
Solche Themen in einem Roman zu bearbeiten: absolut wichtig, aber bitte auf eine Art, bei der man als Leser:in nicht das Gefühl bekommt, einem wird gerade jeder Gedanke vorgekaut.
Für mich war das Buch erzähltechnisch nichts. Ich bin aber überzeugt, dass es durchaus seine Leserschaft finden wird, die vieles daraus mitnehmen können.
1. Der Roman will feministisch sein, ist dabei aber sehr selektiv. Die Protagonistin wirkt als Figur zu Beginn sehr reflektiert (dass sie vermutlich bindungsängstlich ist, ist ein anderes Thema, das im Laufe des Romans hoffentlich noch aufgearbeitet wird?), doch der feministische Aspekt scheint nur beim Thema Männer zu gelten. Relativ zu Beginn (bei ca. 2 %) findet sich beispielsweise diese Stelle:
"Ich muss traurig schmunzeln. Ja, ich weiß, wie die Männer sind. Männer selbst wissen, wie Männer sind. Und tun doch so, als wären sie davon ausgenommen. Besitz, Tarnung, Kontrolle. Die uralte Leier."
oder nur wenig später (3 %), im Gespräch mit ihrem Ex:
"(…) Eine Frau gehört dir nicht, auch nicht, wenn du mit ihr verheiratet bist, und erlauben musst du ihr gar nichts. Wir Frauen sind erwachsene Menschen, die eigene Entscheidungen treffen können und nicht die Erlaubnis von unsicheren Männern brauchen."
Eindeutig hat die Protagonistin sich mit Feminismus beschäftigt, daher passt es für mich nicht zusammen, dass sie in anderen Bereichen komplett uneducated wirkt. Beispielsweise führt sie wieder nur wenig später (ca. 11 %) diesen Gedanken aus:
"(…) probierte Kleider und Hosen an, an denen bis heute das Preisschild hängt, weil die Klamotten zwar heiß, aber mein Körper noch nicht heiß genug für sie ist. Bei manchen Kleidern fehlt mir etwas Rundung an den Hüften, bei anderen sitzt die Taille zu eng, einige Hosen tragen an den Oberschenkeln auf, aber sie könnten gut aussehen, irgendwann, wenn ich mein Ziel im Gym erreicht habe."
Jemand, der so informiert wirkt, misogynes Verhalten outcalled und einen feministischen Kalenderspruch nach dem anderen raushaut (dazu im nächsten Punkt mehr), hat sich noch nie mit Body image beschäftigt und führt solche Gedanken aus? Für mich unglaubwürdig.
2. Die Art, wie die Autorin die Innenwelt der Protagonistin erzählt, ist für mich einfach viel zu platt und plakativ. Feminismus scheint ein großes Thema zu sein und ist dabei aber so unelegant integriert, dass es mich nach kürzester Zeit leider einfach genervt und letztlich zum Abbruch des Romans geführt hat. Es wirkt, als hätte die Autorin alle schlauen Denkansätze, die sie jemals auf Social Media gelesen hat abgespeichert und versucht, all das nun in diesen Roman zu quetschen. Jede:r, der ein bisschen Zeit auf Social Media verbringt, hat alle diese Gedanken vermutlich schon irgendwann irgendwo mal gelesen. Diese Themen in ein Buch zu integrieren ist dabei natürlich nicht das Problem, im Gegenteil, spread the word, aber ich hätte es mir subtiler oder origineller gewünscht/erwartet und nicht gefühlt copy, paste and done. Ein weiteres Beispiel dafür, ein (zurecht) heiß diskutiertes Thema in der Bookbubble (bei ca. 16 %):
"Dies ist das Licht, in das das Romance-Genre so oft gestellt wird: kitschige Geschichten von Frauen für Frauen - keine echte Literatur. Lediglich Eskapismus mit Herzklopfen. Und gleichzeitig reproduziere ich dieses Bild täglich."
Solche Themen in einem Roman zu bearbeiten: absolut wichtig, aber bitte auf eine Art, bei der man als Leser:in nicht das Gefühl bekommt, einem wird gerade jeder Gedanke vorgekaut.
Für mich war das Buch erzähltechnisch nichts. Ich bin aber überzeugt, dass es durchaus seine Leserschaft finden wird, die vieles daraus mitnehmen können.