Spannende Charaktergeschichte mit etwas einseitigem Feminismus
Durch den Hype bin ich mit recht hohen Erwartungen und gleichzeitig etwas skeptisch an Halbwach herangegangen, und komme nach Beenden des Hörbuchs mit einem ähnlich gemischten Gefühl wieder heraus. Kleiner Disclaimer vorab: In der Rezension sind Andeutungen über den Verlauf der Geschichte und Hintergründe von Charakteren enthalten.
Zunächst einmal kann ich sagen, dass mir das Buch eigentlich ganz gut gefallen hat. Die Geschichte behandelt übergreifend interessante Themen, stößt relevante Diskussionen an und ich war interessiert an der Charakterentwicklung der Protagonistin, die im Zentrum der Geschichte steht. Die Charakterisierungen der verschiedenen Nebenfiguren und die Dynamik der Freundesgruppe fand ich auch spannend, da sie stark zu Zoes Persönlichkeit beitragen. Allerdings spaltet sich die Geschichte für mich in zwei Plots auf, die ich sehr unterschiedlich wahrgenommen habe.
Auch wenn sie Hand in Hand gehen, hat mich die Storyline über Zoes Familie und ihre Beziehungen zu ihren Eltern und ihrer Schwester deutlich mehr interessiert und ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr im Fokus steht. Sie wirkt im großen Rahmen fast schon nebensächlich, obwohl sie in meinen Augen viel zentraler und ausschlaggebender für Zoe als Figur ist und ich weitaus mehr Potential für vielschichtige Auseinandersetzungen mit der Familienkonstellation gesehen habe.
Dahingegen konnte ich zu Zoes Geschichte mit Mael keine richtige Bindung aufbauen (pun intended) und sie hat mich zugegebenermaßen fast schon gelangweilt, obwohl sie den Hauptteil der Geschichte ausmacht. Allerdings ist dieser Plot auch genau von der Art, die mich typischerweise in Büchern nicht abholen kann.
Wenn in Geschichten das “echte Lebens als Frau” in unserer Gesellschaft hauptsächlich über Dating und romantische Beziehungen dargestellt wird, kann ich dem persönlich einfach nichts abgewinnen und habe bisher die Leseerfahrung gemacht, dass dabei Feminismus sehr einseitig beleuchtet wird. Ähnlich kamen mir auch hier die feministischen Messages fast schon bevormundend und etwas heuchlerisch vor, vor allem weil sie exklusiv auf Männer und die Dating-Experience bezogen sind. Dabei will ich gar nicht behaupten, dass die Thematisierung von Feminismus in diesem Buch fehlerhaft ist - ich unterstütze und unterschreibe jegliche der Messages, die hier eingebaut werden und finde es unfassbar wichtig, dass sie in Literatur vertreten werden -, allerdings werden sie den Lesenden so Wort-für-Wort vorgekaut, dass sie auf mich eher wie im Buch eingestreute Instagram-Postsprüche wirken und dadurch an Wirkung verlieren. Dazu kommt, dass Zoe innerlich teilweise extrem misogyne und “Pick Me Girl” Gedanken hat, was ihre Beziehung zu anderen Frauen betrifft. Das wäre an sich kein Problem, wenn sie entsprechend benannt und dekonstruiert werden, aber leider findet das nur kaum oder unterschwellig statt.
Mir ist bewusst, dass man zu vielen dieser Punkte auch sagen könnte, dass eben das der Sinn der Geschichte ist, und das stimmt sicherlich auch in gewisser Weise, aber dann hätte ich mir gewünscht, es wäre mehr Zeit dafür genutzt worden, eben diese Gedanken zu thematisieren, kritisch zu betrachten und abzubauen. So wirkt die weibliche Wut in diesem Buch eher wie ein Konzept auf mich, als dass sich eine wertvolle Auseinandersetzung mit den entsprechenden Themen ergeben hat.
Mein Hauptkritikpunkt ist jedoch, dass mir Zoes Entwicklung und das Aufarbeiten von ihren Ängsten und Traumata zu kurz kam. Natürlich muss sich die Story erstmal aufbauen, und Zoes Probleme können auch nicht auf wenigen Seiten aufgelöst werden, aber das sollen sie ja auch gar nicht. Ganz im Gegenteil finde ich genau deswegen das Ende des Buches so toll, weil es einen realistischen Ausblick auf Aufarbeitung und Heilung gibt.
Viel mehr hatte ich ein Problem mit dem Tempo der Handlung - das Buch besteht überwiegend aus sich immer wiederholenden, recht ähnlichen Szenen von Partys, Mael, und Zoes selbstzerstörerischem Verhalten, und der Turning Point kommt dann recht plötzlich erst im letzten Viertel. Dieses hat mir dann aber auch entsprechend gut gefallen. Sehr wertvoll fand ich auch die Therapiesitzungen, die immer wieder vorkommen. Den letzten Teil und das Ende der Geschichte mochte ich wirklich gerne und ich finde, sie haben eine wichtige Message gesetzt, dass Veränderungen und Happy Ends nicht von heute auf morgen passieren, sondern viel Zeit und Arbeit erfordern.
Zum Hörbuch möchte ich noch anmerken, dass mir die Sprecherin gut gefallen hat. Zu Beginn hatte ich noch den Eindruck, dass sie etwas mit Zoe als Figur warm werden musste, aber das hat sich schnell eingespielt und die Vertonung war sehr angenehm zu hören.
Insgesamt hat das Buch für mich einfach gleichermaßen Aspekte gehabt, die mir mehr und weniger gut gefallen haben. Ich finde, dass die Autorin hier eine wirklich gute Geschichte geschaffen hat, auch wenn es für mich an manchen Stellen an der Umsetzung und meinem persönlichen Gehalt aus der Story gemangelt hat. Ich bin mir aber sicher, dass Halbwach seine Leserschaft finden und vielen Leser:innen bestimmt sehr, sehr gut gefallen wird.
Vielen Dank an HarperCollins und NetGalley für das Rezensionsexemplar.
Zunächst einmal kann ich sagen, dass mir das Buch eigentlich ganz gut gefallen hat. Die Geschichte behandelt übergreifend interessante Themen, stößt relevante Diskussionen an und ich war interessiert an der Charakterentwicklung der Protagonistin, die im Zentrum der Geschichte steht. Die Charakterisierungen der verschiedenen Nebenfiguren und die Dynamik der Freundesgruppe fand ich auch spannend, da sie stark zu Zoes Persönlichkeit beitragen. Allerdings spaltet sich die Geschichte für mich in zwei Plots auf, die ich sehr unterschiedlich wahrgenommen habe.
Auch wenn sie Hand in Hand gehen, hat mich die Storyline über Zoes Familie und ihre Beziehungen zu ihren Eltern und ihrer Schwester deutlich mehr interessiert und ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr im Fokus steht. Sie wirkt im großen Rahmen fast schon nebensächlich, obwohl sie in meinen Augen viel zentraler und ausschlaggebender für Zoe als Figur ist und ich weitaus mehr Potential für vielschichtige Auseinandersetzungen mit der Familienkonstellation gesehen habe.
Dahingegen konnte ich zu Zoes Geschichte mit Mael keine richtige Bindung aufbauen (pun intended) und sie hat mich zugegebenermaßen fast schon gelangweilt, obwohl sie den Hauptteil der Geschichte ausmacht. Allerdings ist dieser Plot auch genau von der Art, die mich typischerweise in Büchern nicht abholen kann.
Wenn in Geschichten das “echte Lebens als Frau” in unserer Gesellschaft hauptsächlich über Dating und romantische Beziehungen dargestellt wird, kann ich dem persönlich einfach nichts abgewinnen und habe bisher die Leseerfahrung gemacht, dass dabei Feminismus sehr einseitig beleuchtet wird. Ähnlich kamen mir auch hier die feministischen Messages fast schon bevormundend und etwas heuchlerisch vor, vor allem weil sie exklusiv auf Männer und die Dating-Experience bezogen sind. Dabei will ich gar nicht behaupten, dass die Thematisierung von Feminismus in diesem Buch fehlerhaft ist - ich unterstütze und unterschreibe jegliche der Messages, die hier eingebaut werden und finde es unfassbar wichtig, dass sie in Literatur vertreten werden -, allerdings werden sie den Lesenden so Wort-für-Wort vorgekaut, dass sie auf mich eher wie im Buch eingestreute Instagram-Postsprüche wirken und dadurch an Wirkung verlieren. Dazu kommt, dass Zoe innerlich teilweise extrem misogyne und “Pick Me Girl” Gedanken hat, was ihre Beziehung zu anderen Frauen betrifft. Das wäre an sich kein Problem, wenn sie entsprechend benannt und dekonstruiert werden, aber leider findet das nur kaum oder unterschwellig statt.
Mir ist bewusst, dass man zu vielen dieser Punkte auch sagen könnte, dass eben das der Sinn der Geschichte ist, und das stimmt sicherlich auch in gewisser Weise, aber dann hätte ich mir gewünscht, es wäre mehr Zeit dafür genutzt worden, eben diese Gedanken zu thematisieren, kritisch zu betrachten und abzubauen. So wirkt die weibliche Wut in diesem Buch eher wie ein Konzept auf mich, als dass sich eine wertvolle Auseinandersetzung mit den entsprechenden Themen ergeben hat.
Mein Hauptkritikpunkt ist jedoch, dass mir Zoes Entwicklung und das Aufarbeiten von ihren Ängsten und Traumata zu kurz kam. Natürlich muss sich die Story erstmal aufbauen, und Zoes Probleme können auch nicht auf wenigen Seiten aufgelöst werden, aber das sollen sie ja auch gar nicht. Ganz im Gegenteil finde ich genau deswegen das Ende des Buches so toll, weil es einen realistischen Ausblick auf Aufarbeitung und Heilung gibt.
Viel mehr hatte ich ein Problem mit dem Tempo der Handlung - das Buch besteht überwiegend aus sich immer wiederholenden, recht ähnlichen Szenen von Partys, Mael, und Zoes selbstzerstörerischem Verhalten, und der Turning Point kommt dann recht plötzlich erst im letzten Viertel. Dieses hat mir dann aber auch entsprechend gut gefallen. Sehr wertvoll fand ich auch die Therapiesitzungen, die immer wieder vorkommen. Den letzten Teil und das Ende der Geschichte mochte ich wirklich gerne und ich finde, sie haben eine wichtige Message gesetzt, dass Veränderungen und Happy Ends nicht von heute auf morgen passieren, sondern viel Zeit und Arbeit erfordern.
Zum Hörbuch möchte ich noch anmerken, dass mir die Sprecherin gut gefallen hat. Zu Beginn hatte ich noch den Eindruck, dass sie etwas mit Zoe als Figur warm werden musste, aber das hat sich schnell eingespielt und die Vertonung war sehr angenehm zu hören.
Insgesamt hat das Buch für mich einfach gleichermaßen Aspekte gehabt, die mir mehr und weniger gut gefallen haben. Ich finde, dass die Autorin hier eine wirklich gute Geschichte geschaffen hat, auch wenn es für mich an manchen Stellen an der Umsetzung und meinem persönlichen Gehalt aus der Story gemangelt hat. Ich bin mir aber sicher, dass Halbwach seine Leserschaft finden und vielen Leser:innen bestimmt sehr, sehr gut gefallen wird.
Vielen Dank an HarperCollins und NetGalley für das Rezensionsexemplar.