WOW

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kiwi46 Avatar

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Als ich vorhin „Halbwach“ von Sophia Como geschlossen habe, dachte ich mir nur: Wow. Deshalb nenne ich meine Rezension auch einfach mal so. :)

Zuallererst: Das Cover ist ein Traum, es passt perfekt zur Handlung und je länger ich es angucke, desto besser gefällt es mir.

Diese Geschichte handelt von Zoe. Vielleicht bist du schon mal einer Person wie ihr begegnet. Vielleicht trägst du selbst Teile von ihr in dir und fühlst dich von ihr verkörpert.

Zoe war noch nie verliebt, ist seit Jahren Single und…
Zoe hat eine Bindungsangst, aber das wird sie erst später herausfinden.

Gerade hat sie wieder Schluss gemacht, ihr wurde irgendwie alles zu viel, ihr wurde die Nähe zu viel. Deshalb geht sie auch nichts Festes ein; perfekt, dass Mael das gar nicht möchte. So entwickelt sich eine Situationship (Closed Door) zwischen ihnen.

Zoe ist nicht perfekt und ihr auch teils unsympathisches Verhalten wird verständlich transportiert; beim Lesen hatte ich das Gefühl in Zoes Kopf gucken zu können, ohne, dass nur ihre Gedanken aneinandergereiht sind. Teils nur durch ihr Verhalten konnte ich mit ihr mitfühlen.

Ihr Leben als Autorin, ihre Bindungsangst und ihre Daddy Issues haben mich etwas sensibilisiert, wie viel manche Menschen ohne es direkt zu zeigen mit sich rumschleppen.
Zudem fand ich das Thema von Zoes Bindungsangst grundlegend interessant. Wahrscheinlich auch, weil ich mich in einzelnen Gedanken/Handlungen von Zoe wiederfinden konnte. Trotz bzw. besser gesagt besonders weil ich vorher noch nie von dem Thema gehört habe, halte ich dieses Buch für sehr wichtig.
Dazu haben mir sehr gut die Therapiegespräche gefallen; aus ihnen konnte ich mir viele Dinge für mich selbst rausschreiben. Dadurch hat Sophia Como es geschafft, dass Halbwach informativ ist, ohne ein Sachbuch zu sein.
Du kannst also Zoes Geschichte lesen; dir etwas für dich an Informationen oder Gefühlen mitnehmen und begleitest dabei eine (fiktive) Person in ihrem Alltag, Wandel und Leben.

Die Freundesgruppe von Zoe wirkt echt, wie irgendwie alles in diesem Buch. Levin, Marie und Juli sind mir ans Herz gewachsen und trotz ihrer auch auftretenden Uneinigkeiten halten sie fest zusammen. Beim Lesen hatte ich das Gefühl ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein, was echt schön war. Bei z.B. Abenden in einer Bar, Disko oder einer Kunstausstellung (freu dich da auf was) feiern sie die Schönheit des Beisammenseins.
Aber auch danach bleiben sie in Kontakt; die Chatnachrichten haben den Text total aufgelockert. Ich habe mich immer gefreut, wenn mal wieder in Nachrichtenverlauf kam, da ich dadurch auf einer weiteren Ebene in Zoes Leben eintauchen konnte.

Sophia Comos Schreibstil ist sehr flüssig (das war einfach das erste Buch bei dem mich diese Zwischensätze in einem Dialog nicht genervt haben :) ) und ich bin nur so durch die Kapitel geflogen. Da sie nicht lang angesetzt sind hat bei mir häufig dieses; „Nur noch ein Kapitel…“ eingesetzt. Trotz, dass der Schreibstil kurzweilig wirkt, steckt in ihm aber auch ganz viel Poesie; ich habe das ganze Buch voll mit Post-ist geklebt, weil es einfach so viele starke und berührende Zitate enthält. Auch Frankfurt als Handlungsort wurde sehr atmosphärisch beschrieben.
 
Besonders Zoes Entwicklung hat mich sehr mitfühlen lassen; von Anfang bis Ende habe ich all ihre Entscheidungen verstanden und besonders zum Schluss war ich irgendwie richtig stolz auf sie.
 
Insgesamt würde ich sagen, dass diese Geschichte sehr real und rund wirkt. Trotz oder eher besonders wegen Zoes Ecken und Kanten war ich eingenommen von der Handlung und hatte das Gefühl, mitten drin zu sein. Schritt für Schritt lernt Zoe sich selbst kennen und ich hoffe, dass du Lust hast, sie auch auf ihrem Weg zu begleiten.