Zwischen Freiheit und Gefühl.
Beim Stöbern nach kommenden Neuerscheinungen bin ich auf „Halb wach“ gestoßen und war sofort angetan, sowohl vom raffinierten Titel als auch vom ästhetisch gestalteten Cover, das mit seiner abgewandten Frauenfigur unmittelbar meine Neugier geweckt hat.
Das Cover verweist bereits auf eine innere Spannung, auf Distanz und auf etwas, das sich dem Blick zunächst entzieht.
Die deutsche Autorin Sophia Como war mir zu diesem Zeitpunkt noch kein Begriff. Nicht weiter verwunderlich, denn zeitgenössische Liebesromane lese ich eher selten. Trotzdem reizte mich das Buch sehr, da die Handlung eine etwas andere Liebesgeschichte versprach.
Im Zentrum der Geschichte steht Zoe. Sie ist eine moderne, feministische und sehr taffe Frau, die konsequent ihren eigenen Weg geht. Sie sucht keine langfristigen, tiefgehenden Partnerschaften wie viele andere in ihrem Alter. Zoe möchte unverbindlichen Spaß mit Männern, sie liebt ihre Autonomie und Unabhängigkeit. Nähe wird ihr dabei schnell zu viel, sodass sie ausbrechen will. Dass sie dabei das ein oder andere Herz bricht, nimmt sie in Kauf.
Als sie Mael kennenlernt, scheint er endlich ihr passendes Gegenstück zu sein. Auch er möchte keine Beziehung und alles möglichst lose und unverbindlich halten. Doch zunehmend gerät Zoes scheinbar stabiles Weltbild ins Wanken und sie beginnt sich zu fragen, wer sie ist und was sie wirklich will.
Den Ansatz dieses Romans fand ich sehr spannend. Einer weiblichen Figur Eigenschaften zuzuschreiben, die oft eher männlich gelesen werden, wirkt erfrischend und längst überfällig.
Zunächst erscheint Zoe wie eine Frau, die viele von uns gern wären: voller Energie, selbstbewusst und mit einer klaren „ist mir egal, was du denkst“-Haltung. Gleichzeitig ist sie unsicher, hadert mit ihrem Aussehen, fühlt sich stellenweise verloren und auch einsam. Konflikte mit Familie und Freunden gehören ebenso zu ihrem Leben. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht sie als Protagonistin authentisch und in ihren Handlungen nachvollziehbar.
Schreibstil, Sprache und Dynamik empfand ich als frisch und angenehm leicht. Ich bin in zwei Tagen geradezu durch das Buch geflogen.
Besonders hervorheben möchte ich die von der Autorin erstellte Playlist. Sie ist zu Beginn des Buches zu finden und spiegelt die Stimmung der Geschichte sehr gut wider. Auch auf Spotify lässt sie sich problemlos finden, was das Leseerlebnis auf eine schöne Weise ergänzt.
Wenn man Kritik äußern möchte, ließe sich sagen, dass das Buch stellenweise sehr deutlich feministisch geprägt ist und dabei einige bekannte Muster aufgreift. Es gibt Männer, die Grenzen nicht respektieren, und Familienmitglieder, die sich toxisch verhalten. Dem gegenüber stehen Zoes Freundeskreis, der fast schon idealtypisch wirkt: der beste Freund als absolute Green Flag, der bisexuelle Kumpel, die Freundin, die sich schnell in die falschen Beziehungen stürzt.
Trotzdem funktionieren diese Nebenfiguren im Kontext der Geschichte gut. Sie bleiben eigenständig und geben Zoe Raum zur Entwicklung. Gerade das hat mir besonders gefallen, dass die Geschichte nicht oberflächlich bleibt. Ich mochte sehr, dass Zoe sich Unterstützung bei einer Therapeutin sucht und ihre Themen greifbarer werden. Sie strauchelt, ist nie perfekt und versucht dennoch, ihren eigenen Weg zu finden.
Meine Bewertung:
(5 von 5 Sternen)
Wer einen modernen Liebesroman ohne Kitsch, aber mit klarem Bezug zur Gegenwart sucht, wird hier fündig. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und bin froh, mich auf eine neue Autorin eingelassen zu haben.
Das Cover verweist bereits auf eine innere Spannung, auf Distanz und auf etwas, das sich dem Blick zunächst entzieht.
Die deutsche Autorin Sophia Como war mir zu diesem Zeitpunkt noch kein Begriff. Nicht weiter verwunderlich, denn zeitgenössische Liebesromane lese ich eher selten. Trotzdem reizte mich das Buch sehr, da die Handlung eine etwas andere Liebesgeschichte versprach.
Im Zentrum der Geschichte steht Zoe. Sie ist eine moderne, feministische und sehr taffe Frau, die konsequent ihren eigenen Weg geht. Sie sucht keine langfristigen, tiefgehenden Partnerschaften wie viele andere in ihrem Alter. Zoe möchte unverbindlichen Spaß mit Männern, sie liebt ihre Autonomie und Unabhängigkeit. Nähe wird ihr dabei schnell zu viel, sodass sie ausbrechen will. Dass sie dabei das ein oder andere Herz bricht, nimmt sie in Kauf.
Als sie Mael kennenlernt, scheint er endlich ihr passendes Gegenstück zu sein. Auch er möchte keine Beziehung und alles möglichst lose und unverbindlich halten. Doch zunehmend gerät Zoes scheinbar stabiles Weltbild ins Wanken und sie beginnt sich zu fragen, wer sie ist und was sie wirklich will.
Den Ansatz dieses Romans fand ich sehr spannend. Einer weiblichen Figur Eigenschaften zuzuschreiben, die oft eher männlich gelesen werden, wirkt erfrischend und längst überfällig.
Zunächst erscheint Zoe wie eine Frau, die viele von uns gern wären: voller Energie, selbstbewusst und mit einer klaren „ist mir egal, was du denkst“-Haltung. Gleichzeitig ist sie unsicher, hadert mit ihrem Aussehen, fühlt sich stellenweise verloren und auch einsam. Konflikte mit Familie und Freunden gehören ebenso zu ihrem Leben. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht sie als Protagonistin authentisch und in ihren Handlungen nachvollziehbar.
Schreibstil, Sprache und Dynamik empfand ich als frisch und angenehm leicht. Ich bin in zwei Tagen geradezu durch das Buch geflogen.
Besonders hervorheben möchte ich die von der Autorin erstellte Playlist. Sie ist zu Beginn des Buches zu finden und spiegelt die Stimmung der Geschichte sehr gut wider. Auch auf Spotify lässt sie sich problemlos finden, was das Leseerlebnis auf eine schöne Weise ergänzt.
Wenn man Kritik äußern möchte, ließe sich sagen, dass das Buch stellenweise sehr deutlich feministisch geprägt ist und dabei einige bekannte Muster aufgreift. Es gibt Männer, die Grenzen nicht respektieren, und Familienmitglieder, die sich toxisch verhalten. Dem gegenüber stehen Zoes Freundeskreis, der fast schon idealtypisch wirkt: der beste Freund als absolute Green Flag, der bisexuelle Kumpel, die Freundin, die sich schnell in die falschen Beziehungen stürzt.
Trotzdem funktionieren diese Nebenfiguren im Kontext der Geschichte gut. Sie bleiben eigenständig und geben Zoe Raum zur Entwicklung. Gerade das hat mir besonders gefallen, dass die Geschichte nicht oberflächlich bleibt. Ich mochte sehr, dass Zoe sich Unterstützung bei einer Therapeutin sucht und ihre Themen greifbarer werden. Sie strauchelt, ist nie perfekt und versucht dennoch, ihren eigenen Weg zu finden.
Meine Bewertung:
(5 von 5 Sternen)
Wer einen modernen Liebesroman ohne Kitsch, aber mit klarem Bezug zur Gegenwart sucht, wird hier fündig. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und bin froh, mich auf eine neue Autorin eingelassen zu haben.