Zwischen Selbstbild, gesellschaftlichen Erwartungen und dem leisen Kampf um das eigene Leben
Mit “Halb wach” erzählt Sophia Como die Geschichte von Zoe, einer Frau, die ihr Leben bewusst außerhalb klassischer Beziehungsvorstellungen gestaltet.
> Freiheit,
> Unabhängigkeit,
> unverbindliche Nähe.
Doch als Mael in ihr Leben tritt, beginnt dieses Konzept langsam zu wanken. Was nach Leichtigkeit und Kontrolle aussieht, entpuppt sich als tiefere Auseinandersetzung mit alten Verletzungen, inneren Widersprüchen und der Frage, ob echte Freiheit wirklich bedeutet, niemanden an sich heranzulassen.
Sophia Comos Schreibstil ist fließend, locker, zugänglich und gleichzeitig unglaublich nahbar. Man gleitet durch die Seiten und merkt dabei kaum, wie tief man längst in Zoes Gedankenwelt eingetaucht ist. Und sowohl der Titel, als auch das Cover fängt die Stimmung des Buches wunderbar ein. Für mich beschreibt er diesen Zustand zwischen Verdrängen und Erkennen, zwischen Selbstschutz und Ehrlichkeit.
Was mich an Zoe besonders fasziniert hat, war die Art, wie sie zu Beginn auftritt. Sie lebt ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen und verspürt nicht den Wunsch, sich für das klassische Modell aus Beziehung, Zusammenziehen und gemeinsamer Zukunft zu entscheiden. Ich konnte zwar nicht jede ihrer Entscheidungen nachvollziehen, aber das wofür sie steht und was selten so offen gezeigt wird. Für das Recht, selbst zu bestimmen, wer man sein möchte. Ohne sich ständig erklären zu müssen. Ohne sich dafür zu rechtfertigen, dass die eigenen Wünsche vielleicht anders aussehen als die Erwartungen anderer.
Denn seien wir ehrlich: Würde Zoe ein Mann sein, würden viele ihre Lebensweise vermutlich als selbstbewusst, frei und unabhängig bezeichnen. Man würde sie dafür feiern, dass sie sich nicht festlegt, ihre Freiheit genießt und genau weiß, was sie will. Bei Frauen wird dagegen oft noch immer anders hingeschaut.
Es gibt nach wie vor diese Vorstellung davon, wie das Leben einer Frau auszusehen hat. Als gäbe es einen festen Fahrplan, den man nur abarbeiten müsste. Und wenn man davon abweicht, wird das oft kommentiert oder bewertet. Dabei sollte doch jeder Mensch selbst entscheiden dürfen, wie das eigene Leben aussehen soll. Es gibt längst nicht mehr dieses eine Lebensmodell, das wie eine Schablone über alle gelegt werden
Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, dass Selbstbestimmung nicht automatisch bedeutet, frei von alten Verletzungen zu sein.
Und genau dort wird das Buch für mich besonders stark.
Die Fassade beginnt zu bröckeln. Schmerzhaft. Schicht für Schicht. Man erkennt, dass hinter vielen Entscheidungen mehr steckt als bloße Überzeugung. Dass manche Mauern nicht nur Schutz bieten, sondern irgendwann auch zu einem Gefängnis werden können.
Dabei erzählt Sophia Como keine außergewöhnliche Geschichte voller spektakulärer Ereignisse. Sie erzählt VOM LEBEN.
> Von kleinen Situationen.
> Von Gedanken, die man nachts mit sich herumträgt.
> Von Erfahrungen, die vermutlich viele Frauen in irgendeiner Form schon gemacht haben.
> Von Erwartungen, Rollenbildern, Selbstzweifeln und dem ständigen Versuch, allem gerecht zu werden.
Besonders gelungen fand ich auch die Dynamik innerhalb der Clique. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, Zeit mit diesen Figuren zu verbringen. Man fühlt sich fast wie ein Teil dieser Freundesgruppe. Und auch hier macht das Buch etwas richtig, das vielen Geschichten nicht gelingt: Die Freundschaften sind nicht perfekt.
Vor allem die Beziehung zwischen Zoe und Marie hat mir gefallen, gerade weil sie Ecken und Kanten hat. Freundschaft bedeutet nicht automatisch, immer derselben Meinung zu sein. Manchmal möchte man eine Person schütteln, weil man ihre Entscheidungen nicht versteht. Manchmal ist man enttäuscht. Manchmal streitet man sich. Und trotzdem bleibt man da. Ohne zu spoilern: Zwischen Zoe und Marie gibt es Momente, in denen man als Leserin selbst nicht weiß, auf wessen Seite man eigentlich stehen soll. Aber genau das macht es so authentisch. Diese Freundschaft fühlt sich nicht glatt geschrieben an. Sie lebt davon, dass Menschen Fehler machen, sich gegenseitig verletzen und dennoch versuchen, einander Raum zu geben.
Dieses Buch hat in mir so viele Emotionen ausgelöst. Wut. Frustration. Hoffnung. Traurigkeit. Verständnis. Es gab Szenen, die mich genervt und dann wieder Momente, die mich mitten ins Herz getroffen haben.
An einigen Stellen habe ich mich selbst wiedererkannt. Nicht unbedingt in konkreten Ereignissen, sondern in dem, was zwischen den Zeilen steckt. In diesem ständigen Funktionieren. In der Angewohnheit, sich um alle anderen zu kümmern und sich selbst dabei irgendwo zu verlieren. In dem Ballast, den man mit sich herumschleppt, wenn man nie innehält und hinterfragt, was eigentlich die eigenen Bedürfnisse sind.
Mein einziger kleiner Kritikpunkt betrifft die Entwicklung gegen Ende. Ohne auch hier zuviel vorwegzunehmen, hätte ich mir gewünscht, Zoe auf ihrem Weg aus alten Mustern noch etwas länger begleiten zu dürfen. Besonders im Zusammenhang mit der Parentifizierung und den Auswirkungen, die eine solche Verantwortung über Jahre hinweg hinterlässt.
Für mich fühlte es sich stellenweise so an, als würden einige der tiefsten Wunden relativ schnell ihren Platz finden. Dabei steckt hinter solchen Erfahrungen oft so viel mehr als ein einziges Gespräch oder eine Erkenntnis. Alte Prägungen verschwinden nicht einfach. Sie begleiten einen über Jahre und zeigen sich immer wieder in neuen Situationen. Mir hat das große Aufatmen gefehlt. Nicht unbedingt ein anderes Ende, sondern etwas mehr Raum für die Konfrontation mit dem, was sich über so lange Zeit angesammelt hat. Mehr Raum für das Loslassen, für die Unsicherheit und für die Rückschläge, die oft dazugehören, wenn man beginnt, sich von alten Rollen und Verantwortlichkeiten zu lösen.
“Halb wach" ist ein Buch, das mich von der ersten Seite an gefesselt hat und das ich jedem empfehlen würde, der Geschichten mit echten Menschen, echten Fehlern und echten Gefühlen sucht. Es ist kein kitschiger Liebesroman und keine Geschichte, die sich über Spice oder oberflächliche Romantik definiert. Es ist ein emotionales, ehrliches und klug beobachtetes Buch über Selbstfindung, gesellschaftliche Erwartungen und alte Verletzungen.
> Freiheit,
> Unabhängigkeit,
> unverbindliche Nähe.
Doch als Mael in ihr Leben tritt, beginnt dieses Konzept langsam zu wanken. Was nach Leichtigkeit und Kontrolle aussieht, entpuppt sich als tiefere Auseinandersetzung mit alten Verletzungen, inneren Widersprüchen und der Frage, ob echte Freiheit wirklich bedeutet, niemanden an sich heranzulassen.
Sophia Comos Schreibstil ist fließend, locker, zugänglich und gleichzeitig unglaublich nahbar. Man gleitet durch die Seiten und merkt dabei kaum, wie tief man längst in Zoes Gedankenwelt eingetaucht ist. Und sowohl der Titel, als auch das Cover fängt die Stimmung des Buches wunderbar ein. Für mich beschreibt er diesen Zustand zwischen Verdrängen und Erkennen, zwischen Selbstschutz und Ehrlichkeit.
Was mich an Zoe besonders fasziniert hat, war die Art, wie sie zu Beginn auftritt. Sie lebt ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen und verspürt nicht den Wunsch, sich für das klassische Modell aus Beziehung, Zusammenziehen und gemeinsamer Zukunft zu entscheiden. Ich konnte zwar nicht jede ihrer Entscheidungen nachvollziehen, aber das wofür sie steht und was selten so offen gezeigt wird. Für das Recht, selbst zu bestimmen, wer man sein möchte. Ohne sich ständig erklären zu müssen. Ohne sich dafür zu rechtfertigen, dass die eigenen Wünsche vielleicht anders aussehen als die Erwartungen anderer.
Denn seien wir ehrlich: Würde Zoe ein Mann sein, würden viele ihre Lebensweise vermutlich als selbstbewusst, frei und unabhängig bezeichnen. Man würde sie dafür feiern, dass sie sich nicht festlegt, ihre Freiheit genießt und genau weiß, was sie will. Bei Frauen wird dagegen oft noch immer anders hingeschaut.
Es gibt nach wie vor diese Vorstellung davon, wie das Leben einer Frau auszusehen hat. Als gäbe es einen festen Fahrplan, den man nur abarbeiten müsste. Und wenn man davon abweicht, wird das oft kommentiert oder bewertet. Dabei sollte doch jeder Mensch selbst entscheiden dürfen, wie das eigene Leben aussehen soll. Es gibt längst nicht mehr dieses eine Lebensmodell, das wie eine Schablone über alle gelegt werden
Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, dass Selbstbestimmung nicht automatisch bedeutet, frei von alten Verletzungen zu sein.
Und genau dort wird das Buch für mich besonders stark.
Die Fassade beginnt zu bröckeln. Schmerzhaft. Schicht für Schicht. Man erkennt, dass hinter vielen Entscheidungen mehr steckt als bloße Überzeugung. Dass manche Mauern nicht nur Schutz bieten, sondern irgendwann auch zu einem Gefängnis werden können.
Dabei erzählt Sophia Como keine außergewöhnliche Geschichte voller spektakulärer Ereignisse. Sie erzählt VOM LEBEN.
> Von kleinen Situationen.
> Von Gedanken, die man nachts mit sich herumträgt.
> Von Erfahrungen, die vermutlich viele Frauen in irgendeiner Form schon gemacht haben.
> Von Erwartungen, Rollenbildern, Selbstzweifeln und dem ständigen Versuch, allem gerecht zu werden.
Besonders gelungen fand ich auch die Dynamik innerhalb der Clique. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, Zeit mit diesen Figuren zu verbringen. Man fühlt sich fast wie ein Teil dieser Freundesgruppe. Und auch hier macht das Buch etwas richtig, das vielen Geschichten nicht gelingt: Die Freundschaften sind nicht perfekt.
Vor allem die Beziehung zwischen Zoe und Marie hat mir gefallen, gerade weil sie Ecken und Kanten hat. Freundschaft bedeutet nicht automatisch, immer derselben Meinung zu sein. Manchmal möchte man eine Person schütteln, weil man ihre Entscheidungen nicht versteht. Manchmal ist man enttäuscht. Manchmal streitet man sich. Und trotzdem bleibt man da. Ohne zu spoilern: Zwischen Zoe und Marie gibt es Momente, in denen man als Leserin selbst nicht weiß, auf wessen Seite man eigentlich stehen soll. Aber genau das macht es so authentisch. Diese Freundschaft fühlt sich nicht glatt geschrieben an. Sie lebt davon, dass Menschen Fehler machen, sich gegenseitig verletzen und dennoch versuchen, einander Raum zu geben.
Dieses Buch hat in mir so viele Emotionen ausgelöst. Wut. Frustration. Hoffnung. Traurigkeit. Verständnis. Es gab Szenen, die mich genervt und dann wieder Momente, die mich mitten ins Herz getroffen haben.
An einigen Stellen habe ich mich selbst wiedererkannt. Nicht unbedingt in konkreten Ereignissen, sondern in dem, was zwischen den Zeilen steckt. In diesem ständigen Funktionieren. In der Angewohnheit, sich um alle anderen zu kümmern und sich selbst dabei irgendwo zu verlieren. In dem Ballast, den man mit sich herumschleppt, wenn man nie innehält und hinterfragt, was eigentlich die eigenen Bedürfnisse sind.
Mein einziger kleiner Kritikpunkt betrifft die Entwicklung gegen Ende. Ohne auch hier zuviel vorwegzunehmen, hätte ich mir gewünscht, Zoe auf ihrem Weg aus alten Mustern noch etwas länger begleiten zu dürfen. Besonders im Zusammenhang mit der Parentifizierung und den Auswirkungen, die eine solche Verantwortung über Jahre hinweg hinterlässt.
Für mich fühlte es sich stellenweise so an, als würden einige der tiefsten Wunden relativ schnell ihren Platz finden. Dabei steckt hinter solchen Erfahrungen oft so viel mehr als ein einziges Gespräch oder eine Erkenntnis. Alte Prägungen verschwinden nicht einfach. Sie begleiten einen über Jahre und zeigen sich immer wieder in neuen Situationen. Mir hat das große Aufatmen gefehlt. Nicht unbedingt ein anderes Ende, sondern etwas mehr Raum für die Konfrontation mit dem, was sich über so lange Zeit angesammelt hat. Mehr Raum für das Loslassen, für die Unsicherheit und für die Rückschläge, die oft dazugehören, wenn man beginnt, sich von alten Rollen und Verantwortlichkeiten zu lösen.
“Halb wach" ist ein Buch, das mich von der ersten Seite an gefesselt hat und das ich jedem empfehlen würde, der Geschichten mit echten Menschen, echten Fehlern und echten Gefühlen sucht. Es ist kein kitschiger Liebesroman und keine Geschichte, die sich über Spice oder oberflächliche Romantik definiert. Es ist ein emotionales, ehrliches und klug beobachtetes Buch über Selbstfindung, gesellschaftliche Erwartungen und alte Verletzungen.