Atmosphärische Familiensaga

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noiram Avatar

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Hannah Häffner schafft es sofort, eine unglaublich dichte und fast schon unheimliche Atmosphäre aufzubauen. Das Dorf Wittenmoos im Schwarzwald wird so lebendig beschrieben, dass man den Wald fast selbst riechen kann – diesen mächtigen Wald, der tief in den Menschen wurzelt und den man nie ganz loswird.
​Im Mittelpunkt steht Liese, eine ungewöhnlich großgewachsene Frau, die sich in ihrem Dorf und in ihrem Körper oft deplatziert fühlt. Besonders berührt hat mich ihre heimliche Sparbüchse: Sie versteckt mühsam gesparte Pfennige in einer Blechdose, obwohl sie selbst kaum glaubt, dass sie jemals wirklich ausbrechen wird. Die Beziehung zu ihrem Mann Bernhard wirkt sehr bedrückend; er nimmt sie mit einem Gleichmut hin, der sich wie das Ersticken ganzer Welten anfühlt.
​Ihre Freundin Mina ist der einzige Lichtblick und bringt eine zärtliche Wahrheit in Lieses Leben, auch wenn sie Liese schmerzhaft vor Augen führt, dass sie das Dorf wahrscheinlich nie verlassen wird. Die Sprache der Autorin ist wirklich besonders – sie ist "dunkel, satt und zart" zugleich, wie es im Text heißt. Man möchte unbedingt erfahren, wie es mit den drei Generationen dieser starken, eigensinnigen Frauen weitergeht. Ein toller, poetischer Anfang für eine Familiensaga.