ERGREIFEND!

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ceydaxdo Avatar

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Schon das Cover dieses Romans zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Es ist provokativ gestaltet und weckt Neugier, ohne zu viel vorwegzunehmen. Genau diese Direktheit spiegelt auch den Ton des Buches wider und hat mein Interesse bereits vor dem Lesen geweckt.
Für mich war dieses Buch besonders interessant, weil die Autorin mich bereits mit ihrem ersten Roman überzeugt hat. Sie schafft es, komplexe innere Zustände literarisch so präzise abzubilden, dass ich auch in Zukunft jedes neue Buch von ihr lesen möchte.
Thematisch setzt sich der Roman mit dem inneren Erleben einer jungen Frau auseinander, die zwischen Begehren, Einsamkeit, Wut und dem Wunsch nach Gesehenwerden steht. Die Geschichte ist dabei weniger eine klassische Handlung als vielmehr eine intensive Innenreise. Besonders gelungen fand ich, wie nachvollziehbar die Autorin das Aufwachsen als junge Frau beschreibt – mit all den widersprüchlichen Gefühlen, Unsicherheiten und Sehnsüchten. Der Erzählstrang rund um die Mutter hat mich dabei besonders berührt, da er der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht und zeigt, wie stark familiäre Prägungen das eigene Begehren und Selbstbild beeinflussen.
Der Schreibstil ist eine der großen Stärken des Buches. Schon bei Jeanettes vorherigem Werk hat mich ihre Sprache begeistert, und auch hier konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Der Text fühlt sich roh, ehrlich und unmittelbar an. Der innere Monolog der Protagonistin zieht einen regelrecht hinein; man erlebt das Geschriebene nicht nur, man fühlt es. Diese Nähe zur Figur sorgt dafür, dass viele Passagen lange nachhallen.
Auch die Figuren insgesamt haben mir sehr gefallen. Ihre innere Welt ist klar und einsehbar, nichts wirkt konstruiert oder künstlich. Gerade die Protagonistin erscheint in all ihren Widersprüchen absolut authentisch. Man muss ihre Entscheidungen nicht immer gutheißen, um sie zu verstehen – und genau das macht sie so glaubwürdig.

Besonders überzeugt hat mich der authentische, intensive innere Monolog der Protagonistin, in den ich mich sehr gut hineinversetzen konnte. Kritisch sehe ich, dass die Familiengeschichte für meinen Geschmack etwas mehr Raum hätte bekommen dürfen. Zudem empfand ich das Ende als recht abrupt und hätte mir hier einen runderen Abschluss gewünscht.