Für mich leider eine Enttäuschung

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katrriin Avatar

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Nachdem mich Jennette McCurdys Autobiographie schon unfassbar mitgenommen hat, war ich bereits seit Ankündigung dieses Debütromans gespannt und voller Vorfreude, weil ich dachte, das kann nur gut werden! Der Inhalt hat mich neugierig gemacht und auch die Covergestaltung fand ich sehr gelungen. Leider wurde ich deshalb umso mehr enttäuscht.

Die Grundidee ist nicht sonderlich originell und doch war ich sehr auf die Umsetzung gespannt: Die Schülerin Waldo, die im Trailerpark mit ihrer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen ist, verliebt sich in ihren Lehrer für kreatives Schreiben, Mr. Korgy. Mit Mr. Korgy hat Waldo zum ersten Mal das Gefühl, dass sie wirklich gesehen und wertgeschätzt wird - auch wenn diese Wertschätzung (zunächst) nur auf schulischer Ebene ist. Im Laufe des Romans entwickelt sich eine offensichtlich ungesunde Dynamik und Beziehung zwischen den beiden, die oftmals fast schmerzhaft ist zu beobachten.

Und da sind wir auch schon bei dem ersten Punkt, der mir nicht gefallen hat: Wie unangenehm es war, dieses Buch zu lesen. Ich habe mich permanent fremdgeschämt und mir haben sich beinahe die Fußnägel hochgerollt, in welcher Weise über Waldo und ihre Beziehung zu Mr. Korgy geschrieben wurde. Gleichzeitig hat mir etwas die Schwere gefehlt, die eine solche Beziehung auslösen sollte.

Außerdem wurde mir im Buch insgesamt zu viel explizit benannt, obwohl es eigentlich bereits durch szenische Darstellung deutlich genug gemacht wurde. Im Klappentext wird das Buch beispielsweise als ein "Roman über Klassenunterschiede" bezeichnet. Diese Klassenunterschiede sind von Beginn an offensichtlich, wenn man erfährt, unter welchen Umständen Waldo aufgewachsen ist und wie hingegen Mr. Korgy lebt (der aber nun mal auch mehr Lebenserfahrung als sie hat). Trotzdem kommt die Autorin nicht umhin immer und immer wieder wörtlich zu erwähnen, dass Waldo aus der "weißen Unterschicht" kommt, was meiner Meinung nach redundant wird, wenn man den Text einfach aufmerksam liest und vielleicht etwas zwischen den Zeilen interpretiert. Auch die dadurch entstehenden Klassenunterschiede zu Mr. Korgy werden immer wieder wörtlich auch als solche bezeichnet. Generell werden die grundsätzlichen Themen des Romans direkt benannt, angesprochen und in einen Kontext gepackt. Ein weiteres Beispiel: Geht es Waldo schlecht, bestellt sie sich Kleidung, Make-Up und andere Dinge, die sie gar nicht braucht. Dadurch entstand für mich allerdings keine Konsumkritik, da mir als Leserin der Zusammenhang direkt erklärt wird, anstatt ihn für mich erfahrbar zu machen.

Dieses didaktische Erzählen hat für mich auch vor allem deshalb nicht funktioniert, da in der ich-Form von Waldo, einer gerade mal Achtzehnjährigen, erzählt wird. Aufgrund dieser gewählten Erzählperspektive hat sich für mich vieles in dem Roman sehr unauthentisch angefühlt.

Ich gebe dem Roman trotzdem immerhin zwei Sterne, da ich zum einen denke, dass er gerade durch dieses didaktische Erzählen einer breiteren Masse zugänglich gemacht wird, als andere Romane, die ähnliche Themen behandeln. Auch kann ich mir gut vorstellen, dass der Roman für mich einfach nicht funktioniert hat, während er anderen besser gefallen könnte. Mir hat es aber leider gar nicht gefallen.