Kein Wohlfühlbuch – aber ein bedeutendes

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karouchi Avatar

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Half His Age von Jennette McCurdy ist kein Buch, das man „einfach so“ liest. Es ist eines, das nachwirkt – leise, unangenehm, ehrlich. McCurdy erzählt nicht, um zu schockieren, sondern um sichtbar zu machen, was oft übersehen oder relativiert wird: Machtgefälle, emotionale Abhängigkeit und die langfristigen Folgen von Grenzüberschreitungen.
Die Autorin beschreibt ihre Erfahrungen nüchtern, fast distanziert, und gerade das macht den Text so eindringlich. Es gibt keine dramatische Überzeichnung, kein Selbstmitleid. Stattdessen eine präzise Beobachtung dessen, wie Manipulation funktioniert – schleichend, getarnt als Fürsorge, als „besondere Verbindung“. Das Alter spielt dabei nicht nur biologisch eine Rolle, sondern vor allem strukturell: Wer entscheidet, wer definiert Nähe, wer trägt Verantwortung? McCurdy stellt diese Fragen nicht explizit, aber sie stehen zwischen jeder Zeile.
Besonders stark ist das Buch dort, wo es keine einfachen Antworten liefert. McCurdy verurteilt nicht pauschal, sie erklärt – und lässt die Lesenden selbst die moralische Schwere erkennen. Half His Age ist dadurch kein reißerisches Enthüllungsbuch, sondern ein wichtiges Zeugnis über Selbstwahrnehmung, Fremdbestimmung und den langen Weg zurück zur eigenen Stimme. Ein unbequemes, aber notwendiges Buch.