Missbrauch und Machtgefälle

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smolsin Avatar

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Mit „Half his age“ bekommen wir nach ihrem Memoir „I’m glad my mom died” nun das Romandebüt von Schauspielerin Jennette McCurdy vorgelegt.

Im Fokus der Geschichte steht die 17-jährige Schülerin Waldo. Waldo ist ohne Vater und dafür mit ständig wechselnden Partnern ihrer Mutter in eher ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Das Geld, welches sie für das Jobben bei Victorias Secret verdient, gibt sie beim exzessiven Online-Shopping wieder aus. Mit Gleichaltrigen kann sie nicht viel anfangen und die einzige Freundin, die Waldo hat, versucht ihr eigenes Ego an ihr aufzupolieren. Als Waldo ihren Lehrer für Kreatives Schreiben zum ersten Mal erblickt, spürt sie direkt eine tiefe Verbindung zu dem 40-jährigen Mann. Schnell entwickelt sich aus einer anfänglichen Schwärmerei eine starke Obsession und letztendlich auch ein Verhältnis zwischen den beiden.

Als Hauptfigur ist Waldo - wenn auch, oder gerade wegen ihrer Fehler - sehr authentisch. Ihr Innenleben ist komplex und mitunter auch ziemlich reflektiert dargestellt, dennoch handelt sie oft widersprüchlich, was gerade im Kontext ihres Alters durchaus nachvollziehbar ist.

McCurdys Schreibstil ist hier klar und sachlich, sehr explizit und mitunter ziemlich vulgär.
Stellenweise war die Handlung etwas repetitiv und zu sehr auf Schockmomente ausgerichtet. Es steht außer Frage, dass McCurdy mit ihrem Roman provozieren will und ich verstehe auch die Intention dahinter, dennoch war es mir an einigen Stellen einfach too much und hatte in meinen Augen keinen Mehrwert.

Trotz meiner Kritikpunkte kann ich das Buch zumindest eingeschränkt empfehlen. Für mich war es zwar kein Highlight aber das Thema ist wichtig. Wer sich nicht an vulgärer Sprache stört, wird es wertschätzen können.