Roh. Zynisch. Unbequem.

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„Half His Age“ ist eine Coming of Age-Story allerdings ohne Nostalgie oder Verklärung dafür feministisch, roh und vor allem unangenehm ehrlich!

Die Hauptprotagonistin Waldo ist jung und unsicher und hat sehr früh gelernt, sich so zu verbiegen, wie das Patriarchat es verlangt.
Sozusagen Anpassung als Überlebensstrategie. Zustimmung als Tarnung für Kapitulation. Dass diese beiden Dinge oft identisch sind, bringt der Roman sehr klar auf den Punkt!
Die Mutter setzt früh den Ton mit einem Satz, der sitzt und bleibt: „Du bist halt schwer zu lieben.“ Kein Wunder also, dass Waldo ein tiefes, fast schmerzhaftes Bedürfnis nach Anerkennung und vor allem Liebe entwickelt. Sie sucht sie überall danach: im Konsum (Shopping als Heilsversprechen), in Fantasien von Selbstveränderung und schließlich in Mr. Korgy, ihrem Lehrer.

Sprachlich kommt der Roman dabei sehr nüchtern, direkt und extrem zynisch daher, was mir persönlich extrem gut gefallen hat! Der Zynismus wirkt aber nicht aufgesetzt sondern ist für Waldo quasi lebensnotwendig als Schutzschild gegen Gefühle, die sonst nicht auszuhalten wären. Trotzdem liegt über allem irgendwie auch eine leise, konstante Resignation.

Problematisch (und das ist nicht wegzudiskutieren) bleibt die Lehrer-Schüler-Konstellation. Auch wenn Waldo sich gesehen fühlt, auch wenn sie glaubt, hier erstmals als Persönlichkeit wahrgenommen zu werden: Das Machtgefälle ist real. Verstärkt wird es durch Unterschiede in Alter, Sozialisation (Arbeiterkind vs. akademische Welt) und emotionaler Abhängigkeit. Machtmissbrauch findet auf mehreren Ebenen statt.
Und am Ende wird klar, dass Mr. Korgy ist kein Ausweg ist. Er ist nur ein weiterer Erwachsener, der Waldo benutzt. Vielleicht subtiler als ihre Mutter, aber nicht weniger egoistisch. So wie sie sich durch Online-Bestellungen ein neues Leben erhofft, projiziert sie dieselbe Hoffnung auf ihn.

Fazit:
 Ein Coming of Age der besonderen Art. Provokant, zynisch, unbequem.