Über patriarchale Macht und weibliche Wut

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ninaveronika Avatar

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„Half his Age“ von Jennette McCurdy, erschienen im Aufbau Verlag, erzählt von einer Liebesbeziehung mit großem Altersunterschied und beleuchtet, wie Anziehung, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Erwartungen dabei aufeinanderprallen.

Wow, wow, wow!! Jennette McCurdy schafft es mit „Half his Age“ eine Geschichte zu erzählen, in der sich viele Frauen wiederfinden können. Die Szenen in denen Waldo ihre gesamte Kraft dafür aufbringt, um Mr. Korgy zu gefallen, zeigen so gut auf wie es ist als junge Frau im Patriarchat aufzuwachsen. Sie formt sich so, dass sie in die vorgefertigte Schablone passt, die Männer wie Mr. Korgy von ihr erwarten.
Zu lesen wie Waldo es ab der zweiten Hälfte schafft, sich langsam aus dieser Beziehung zu befreien, die Dynamik zu hinterfragen und die Manipulation seitens des Lehrers zu erkennen, fand ich als Leserin großartig.
Ich finde es jedoch wichtig hier darauf aufmerksam zu machen, dass der Weg aus solchen Beziehungen oft auch viel schwerer sein kann als dargestellt, weil sich solche Männer ihrer Machtposition bewusst sind und wissen wie man junge, minderjährige Frauen manipulieren kann.

Dieser Roman vereint für mich so viele wichtige Themen wie Machtmissbrauch, Male Gaze, Selbstbestimmung, Armut und weibliche Lust. Er überzeugt mit einer intensiven, rohen Sprache, die sich den Raum nimmt, den sie verdient. „Half his Age“ ist laut, unbequem & voller weiblicher Wut. Mich konnte das Buch komplett überzeugen und ich kann es absolut empfehlen. Für mich ein ganz klares Jahreshighlight.