Wie ein Verkehrsunfall - man kann nicht wegschauen
"Funktionale Familien bringen langweilige, charakterlose Menschen hervor, die den Lauf des Lebens einfach nur absolvieren und nie erfahren, was es heißt, wirklich zu leben. Oder vielleicht ist das auch ein falsches Narrativ, an das ich mich klammere, um mich besser mit meinen Dysfunktionen zu fühlen."
Waldo ist gelangweilt. Die Jungs in ihrem Alter sind weder besonders interessant noch gut im Bett. Ihr Leben ist bestimmt von High School, Junk Food und extremen Online-Shopping-Sprees. Als der neue Lehrer für Kreatives Schreiben, Mr. Korgy, auftaucht, ändert sich ihr Fokus schlagartig: Sie will nichts mehr als diesen Mann mit seinem Bauchansatz und den dünner werdenden Haaren, mit Frau und Kind zuhause, doppelt so alt wie sie. Sie schreckt vor nichts zurück, um dieses Ziel zu erreichen, und findet in Korgy einen willigen Mitspieler.
Jeanette McCurdy schreckt nicht davor zurück, eine Geschichte voller übellauniger, abstoßender Figuren zu kreieren, deren Motivationen aus den dunkelsten Schattenseiten ihrer selbst entspringen. Es geht nicht um Liebe, es geht um Macht und Kontrolle. Es geht nicht um Freude, es geht um den Kick. Es geht darum, in einem tristen, ausweglos erscheinenden Leben überhaupt mal etwas zu fühlen. Normalerweise versucht Waldo das über extremes Onlineshopping herbeizuführen, oder indem sie sich zuckriges/fettiges Junk Food reinschaufelt. Mit Mr. Korgy tritt aber eine neue Möglichkeit in ihr Leben - etwas absolut Verbotenes, das sie deshalb natürlich unbedingt haben muss. Von Anfang an übertreten die beiden dabei die Grenzen des anderen, das Buch ist stellenweise nur mit zusammengebissenen Zähnen lesbar, so unangenehm sind manche Szenen.
McCurdy schreckt nicht vor extremer Explizitheit zurück. Sex wird in allen Einzelheiten ausbuchstabiert, ob er nun okay ist, großartig oder abstoßend. Und oft vermischen sich diese Anteile; man ist von Waldo und ihren Fantasien abgestoßen, von den Jungs, die sie trifft, von ihr und Korgy, sieht aber auch die Erotik und den Kick. Meisterhaft schafft es die Autorin, das, was als hocherotisches Abenteuer beginnt, was Versprechen und Hoffnung birgt im dunklen und kalten Alltag in Alaska, langsam kippen zu lassen in ein Spiel aus Nähe und Entzug, aus Obsessionen und Drohungen, aus Verzweiflung und Bitterkeit. Es schockt, das so realistisch aus der Sicht einer 17-Jährigen geschildert zu bekommen, die allein qua Herkunft aus dem "white trash" Milieu, mit einer 34-jährigen Mutter, die selbst nie erwachsen geworden ist, schon zu den Hoffnungslosen dieses Landes zählt. Es ist ein irgendwie ernüchternder Roman, zynisch und gnadenlos, der nicht viel Raum lässt für die Spekulation, dass irgendwann doch noch alles gut werden wird.
Und das macht ihn wahnsinnig unterhaltsam zu lesen. Es ist kaum möglich, dieses soghaft geschriebene Buch aus der Hand zu legen, bei dem jeder Satz knallt, jeder neue Kapitelanfang schockt. Klar, das ist ein bisschen wie bei einem Autounfall, bei dem man nicht wegschauen kann. Aber es macht eben auch gute Unterhaltungsliteratur, bei der man nie so ganz rauskommt aus dem Sich-Winden-Wollen. Erstaunlich, dass ich darüber sagen kann: Das macht Spaß und verdient 5 Sterne.
Waldo ist gelangweilt. Die Jungs in ihrem Alter sind weder besonders interessant noch gut im Bett. Ihr Leben ist bestimmt von High School, Junk Food und extremen Online-Shopping-Sprees. Als der neue Lehrer für Kreatives Schreiben, Mr. Korgy, auftaucht, ändert sich ihr Fokus schlagartig: Sie will nichts mehr als diesen Mann mit seinem Bauchansatz und den dünner werdenden Haaren, mit Frau und Kind zuhause, doppelt so alt wie sie. Sie schreckt vor nichts zurück, um dieses Ziel zu erreichen, und findet in Korgy einen willigen Mitspieler.
Jeanette McCurdy schreckt nicht davor zurück, eine Geschichte voller übellauniger, abstoßender Figuren zu kreieren, deren Motivationen aus den dunkelsten Schattenseiten ihrer selbst entspringen. Es geht nicht um Liebe, es geht um Macht und Kontrolle. Es geht nicht um Freude, es geht um den Kick. Es geht darum, in einem tristen, ausweglos erscheinenden Leben überhaupt mal etwas zu fühlen. Normalerweise versucht Waldo das über extremes Onlineshopping herbeizuführen, oder indem sie sich zuckriges/fettiges Junk Food reinschaufelt. Mit Mr. Korgy tritt aber eine neue Möglichkeit in ihr Leben - etwas absolut Verbotenes, das sie deshalb natürlich unbedingt haben muss. Von Anfang an übertreten die beiden dabei die Grenzen des anderen, das Buch ist stellenweise nur mit zusammengebissenen Zähnen lesbar, so unangenehm sind manche Szenen.
McCurdy schreckt nicht vor extremer Explizitheit zurück. Sex wird in allen Einzelheiten ausbuchstabiert, ob er nun okay ist, großartig oder abstoßend. Und oft vermischen sich diese Anteile; man ist von Waldo und ihren Fantasien abgestoßen, von den Jungs, die sie trifft, von ihr und Korgy, sieht aber auch die Erotik und den Kick. Meisterhaft schafft es die Autorin, das, was als hocherotisches Abenteuer beginnt, was Versprechen und Hoffnung birgt im dunklen und kalten Alltag in Alaska, langsam kippen zu lassen in ein Spiel aus Nähe und Entzug, aus Obsessionen und Drohungen, aus Verzweiflung und Bitterkeit. Es schockt, das so realistisch aus der Sicht einer 17-Jährigen geschildert zu bekommen, die allein qua Herkunft aus dem "white trash" Milieu, mit einer 34-jährigen Mutter, die selbst nie erwachsen geworden ist, schon zu den Hoffnungslosen dieses Landes zählt. Es ist ein irgendwie ernüchternder Roman, zynisch und gnadenlos, der nicht viel Raum lässt für die Spekulation, dass irgendwann doch noch alles gut werden wird.
Und das macht ihn wahnsinnig unterhaltsam zu lesen. Es ist kaum möglich, dieses soghaft geschriebene Buch aus der Hand zu legen, bei dem jeder Satz knallt, jeder neue Kapitelanfang schockt. Klar, das ist ein bisschen wie bei einem Autounfall, bei dem man nicht wegschauen kann. Aber es macht eben auch gute Unterhaltungsliteratur, bei der man nie so ganz rauskommt aus dem Sich-Winden-Wollen. Erstaunlich, dass ich darüber sagen kann: Das macht Spaß und verdient 5 Sterne.