Ziemlich gutes Debüt
Ich hatte etwas "Angst," dass mir "Half his age" von Jennette McCurdy (Ü: Oivia Kuderewski) nicht gefallen würde. Ihr Memoir "I'm glad my Mom died" war 2023 unter meinen Highlights. Als ich den Klappentext von ihrem Romandebüt gelesen habe, war ich erstmal skeptisch. Spoiler: völlig unbegründet. Dieses Romandebüt ist unbequem, witzig und ein ziemlicher Banger. ✨
Waldo wächst mit einer emotional abwesenden Mutter auf. Sie sucht Nähe dort, wo sie sie bekommt: in Konsum, Sex – und schließlich bei ihrem Englischlehrer Mr. Korgy. Sie weiß selbst nicht, was sie eigentlich von ihm will: seine Lebenserfahrung oder einfach das Gefühl, endlich gesehen zu werden. Die beiden beginnen eine Affäre.
Was dieses Buch für mich ausmacht, ist Waldo. McCurdy hat eine Protagonistin geschaffen, die gleichzeitig impulsiv, klug und zutiefst widersprüchlich ist. Waldo musste viel zu früh erwachsen werden und sich um die emotionalen Bedürfnisse ihrer Mutter kümmern. Während andere Jugendliche sich um Schule oder Freundschaften sorgen, fragt sie sich, ob noch Wasser aus dem Hahn kommt oder ob ihre Mutter die nächste Trennung übersteht. Sie arbeitet, finanziert sich selbst, wirkt unabhängig. Und verliert sich trotzdem im Online-Shopping, sobald alles zu viel wird, füllt Warenkörbe mit Fast Fashion und hofft, dass es die Leere kurz überdeckt.
Ich mochte, wie McCurdy verschiedene Themen (Klassismus, Konsum, Patriarchat) in den Roman einfließen lässt. Waldo weiß zum Beispiel genau, wie absurd es ist, wie viel Zeit, Geld und Energie Frauen investieren, um für Männer „präsentierbar“ zu sein. Und trotzdem reicht ein einziger Anruf von Mr. Korgy, und sie ist sofort, emotional wie körperlich, verfügbar. Sie hat sogar eine Notfall-„Tonne“ im Auto: Make-up und Kleidung, um sich jederzeit schnell für ihn herzurichten, wenn er plötzlich doch Zeit für sie hat.
"Ein Frauenkörper kann nie genug abgeschabt und abgetragen werden. Was ist eine Frau schon anderes als Seidigkeit? Weichheit? Geschmeidigkeit, Straffheit, Porenlosigkeit?" (S. 65)
McCurdy schreibt also auch hervorragende Romane. Hoffen wir, es folgen noch viele weitere. 📚✨
Waldo wächst mit einer emotional abwesenden Mutter auf. Sie sucht Nähe dort, wo sie sie bekommt: in Konsum, Sex – und schließlich bei ihrem Englischlehrer Mr. Korgy. Sie weiß selbst nicht, was sie eigentlich von ihm will: seine Lebenserfahrung oder einfach das Gefühl, endlich gesehen zu werden. Die beiden beginnen eine Affäre.
Was dieses Buch für mich ausmacht, ist Waldo. McCurdy hat eine Protagonistin geschaffen, die gleichzeitig impulsiv, klug und zutiefst widersprüchlich ist. Waldo musste viel zu früh erwachsen werden und sich um die emotionalen Bedürfnisse ihrer Mutter kümmern. Während andere Jugendliche sich um Schule oder Freundschaften sorgen, fragt sie sich, ob noch Wasser aus dem Hahn kommt oder ob ihre Mutter die nächste Trennung übersteht. Sie arbeitet, finanziert sich selbst, wirkt unabhängig. Und verliert sich trotzdem im Online-Shopping, sobald alles zu viel wird, füllt Warenkörbe mit Fast Fashion und hofft, dass es die Leere kurz überdeckt.
Ich mochte, wie McCurdy verschiedene Themen (Klassismus, Konsum, Patriarchat) in den Roman einfließen lässt. Waldo weiß zum Beispiel genau, wie absurd es ist, wie viel Zeit, Geld und Energie Frauen investieren, um für Männer „präsentierbar“ zu sein. Und trotzdem reicht ein einziger Anruf von Mr. Korgy, und sie ist sofort, emotional wie körperlich, verfügbar. Sie hat sogar eine Notfall-„Tonne“ im Auto: Make-up und Kleidung, um sich jederzeit schnell für ihn herzurichten, wenn er plötzlich doch Zeit für sie hat.
"Ein Frauenkörper kann nie genug abgeschabt und abgetragen werden. Was ist eine Frau schon anderes als Seidigkeit? Weichheit? Geschmeidigkeit, Straffheit, Porenlosigkeit?" (S. 65)
McCurdy schreibt also auch hervorragende Romane. Hoffen wir, es folgen noch viele weitere. 📚✨