Glanz mit Schatten

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bua1705 Avatar

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Die Leseprobe von HappyHead entfaltet von der ersten Seite an eine beklemmende, zugleich aber faszinierende Atmosphäre. Was zunächst wie ein harmloses Selbstoptimierungsprogramm für Jugendliche wirkt, kippt schnell ins Unheimliche: Die sterile Sprache des Einladungsschreibens, der Zwang zur Abgabe aller persönlichen Gegenstände und der totale Kontaktabbruch zur Außenwelt lassen bereits erahnen, dass hinter „HappyHead“ etwas Dunkleres lauert.

Besonders eindrücklich ist die Erzählstimme von Sebastian. Sein Ton ist ehrlich, verletzlich und oft von trockenem Humor durchzogen, was ihn sofort nahbar macht. Die Dynamik in seiner Familie – liebevoll, aber übergriffig und leicht peinlich – wirkt authentisch und verstärkt das Gefühl, dass Sebastian in eine Situation hineingeschoben wird, die er selbst nicht gewählt hat. Seine innere Unsicherheit, sein Bedürfnis nach Zugehörigkeit und sein stilles Ringen mit seiner Identität verleihen der Geschichte emotionale Tiefe.

Mit dem Auftauchen der HappyHead-Mitarbeiter kippt die Stimmung endgültig ins Dystopische. Die überfreundlichen „Overalls“, das sterile Gebäude, die strengen Regeln und der Werbefilm, der wie eine Mischung aus Propaganda und Wellness-Spot wirkt, erzeugen ein Gefühl von Manipulation und Überwachung. Gleichzeitig bleibt alles so glatt und lächelnd, dass die Bedrohung umso stärker wirkt.

Die Leseprobe überzeugt durch ihren Sog: Man spürt, dass etwas nicht stimmt, aber man weiß noch nicht genau was. Die Mischung aus Coming-of-Age, subtilem Horror und Gesellschaftskritik macht neugierig auf den weiteren Verlauf. Vor allem Sebastians Perspektive – sensibel, witzig, verletzlich – sorgt dafür, dass man unbedingt wissen will, wie er sich in diesem perfiden System behaupten wird.