Coming of Age im Happiness-Experiment

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markuszm Avatar

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Happy Head von Josh Silver ist ein Young Adult Roman über ein experimentelles Mental-Health-Programm, das versucht, depressive Teenager glücklich zu machen. Dabei geht es an manchen Stellen aber etwas zu weit. Sebastian, der Hauptcharakter, merkt schnell, dass nicht alles so harmlos ist, wie es zuerst wirkt, und versucht herauszufinden, was wirklich hinter dem Programm steckt.

Schon das Cover und die Gestaltung stechen besonders heraus. Das Cover lässt eine düstere Vorahnung erahnen und auch der Rest ist einfach richtig besonders. Die Buchseiten sind außen toll gestaltet, schwarz mit gelbem Schleim in Form eines Smileys. Selten sind Bücher so besonders gestaltet und ich hatte sofort Lust, es in die Hand zu nehmen.

Das Thema könnte nicht aktueller sein, gerade wenn über Social Media Verbote diskutiert wird, weil es Kindern und Jugendlichen zu sehr schadet. Das Buch nimmt oberflächliche Mental-Health-Ansätze und zieht sie ins Extreme. Kunsttherapie, Einstufungstests, um die richtige Partnerin oder den richtigen Partner zu finden, und dieses ganze Gefühl von Optimierung um jeden Preis. Gleichzeitig wird auch queer sein angeschnitten und wie man als schwuler Junge erwachsen wird. Im Grunde ist es eine Coming-of-Age Story. Teilweise etwas klischeebehaftet, aber nicht schlecht.

Der Schreibstil ist typisch für Young Adult und aus der Sicht eines Teenagers geschrieben. Die Beschreibungen sind lebhaft und man kann sich gut in den Charakter der Ich-Person einfühlen. Der Anfang zieht sich etwas, bis alle wichtigen Charaktere und die Welt von Happy Head eingeführt wurden. Dann in der Mitte wird es spannender und ich konnte das Buch kaum weglegen. Auch bei den Figuren merkt man die typischen YA-Klischees. Es gibt klar die Guten und die Bösewichte. Trotzdem fand ich es insgesamt ausgewogen und es gibt ein paar Überraschungen.

Für mich ist das Buch interessant, weil es eine tolle Coming-of-Age Story mit spannenden Elementen ist und gleichzeitig Kritik an dem Optimierungswahn der aktuellen Gesellschaft zeigt. Dazu kommt die immer größere Kluft zwischen Elite und Armen im Kapitalismus. Für Erwachsene hat das Buch also auch interessante Aspekte, aber gerade für junge Erwachsene ist es ein gutes Buch, um einen Platz in der Welt zu finden, nicht zu sehr anderen alles recht zu machen und die eigenen Werte ehrlich zu vertreten. Die Repräsentation einer queeren Geschichte ist ein weiterer Pluspunkt und bringt andere Perspektiven rein.