Eine Mischung aus Glücksversprechen und Kontrollverlust

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doroko Avatar

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Weder von Josh Silver noch aus dem Genre Young Adult Thriller habe ich ein Buch
gelesen. Deswegen war ich um so erfreuter, dass ich „Happy Head“ über Netgalley lesen durfte. Das Cover ist sehr auffällig und passt sehr gut zu dem Buch. Inhaltlich geht es um eine künstliche Welt, die unserer erschreckend ähnlich sieht. Und in dieser Welt begleite ich den siebzehnjährigen Sebastian „Seb“ Seaton, der an einem mysteriösen Pilotprojekt teilnimmt, welches verspricht, die grassierende „Epidemie der Unglücklichkeit“ unter Jugendlichen zu heilen.
Allein diese Grundidee erschien mir surreal und schon nach wenigen Seiten spürte ich auch so ein beklemmende Gefühl, welches mich stark an moderne Klassiker wie „The Hunger Games“ oder „Squid Game“ erinnerte. Aber genau davon lebt der Roman und ich wollte weiter lesen.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Seb. Er glaubwürdig gezeichnet, eben weil er kein klassischer Held ist. Seb wirkt eher unsicher und manchmal auch etwas zu angepasst, sodass man seine Zweifel und sein Bedürfnis, dazuzugehören, all zu gut verständlich sind. Sein Freund Finn ist jedoch das Gegenteil: widerständisch, misstrauisch sowie auf eine gewisse Art auch rebellisch. Diese Chemie zwischen Seb und Finn bringt eine wunderbare emotionale Tiefe in die Geschichte, die über einen klassichen Thriller hinausgeht.
Durch seine aktuelle Themen ist das Buch vor allem inhaltlich sehr aktuell. Die Kritik an unserer heutigen Leistungsgesellschaft und dem Zwang zur Selbstoptimierung empfand ich als messerscharf und sehr aktuell. Josh Silver schreibt flüssig, modern und bildhaft. Der Autor versteht es, Dialoge lebendig und glaubwürdig wirken zu lassen, ohne dass sie konstruiert klingen.
Warum keine volle Punktzahl? Für mich kam das Ende etwas zu abrupt und fühlte sich wie „noch nicht fertig“ an. Und es hat mehr Fragen als Antworten zurückgelassen – die dann vielleicht in der Fortsetzung „Dead Happy“ beantwortet werden. Trotzdem ist es ein packendes Debüt, das über den wahren Preis des Glücks nachdenken lässt.
Von mir gibt es eine Leseempfehlung und ⭐⭐⭐⭐