Erschreckend realistisch

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zafrina Avatar

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Ich möchte mit dem ersten Eindruck beginnen: dem Cover. Dieses hat mich sofort angesprochen. Die kontrastreichen Farben und der auffällige Farbverlauf wirken zunächst lebendig und verheißungsvoll, fast schon wie ein Versprechen auf Glück. Gleichzeitig deutet die Gestaltung für mich an, dass dieses Glück nur eine Fassade ist. Genau diese Ambivalenz passt perfekt zur Geschichte. Der Farbschnitt hingegen hat mich zunächst nicht ganz überzeugt; der Grünton traf nicht meinen Geschmack. Doch je weiter ich las, desto mehr verstand ich die symbolische Bedeutung dieser Farbwahl, was meine Sicht darauf noch einmal veränderte.
Auch thematisch hat mich der Roman sofort abgeholt. In einer Welt voller Depressionen, Burnout und Leistungsdruck erscheint das „HappyHead“-Projekt wie die perfekte Lösung. Doch wie weit wäre man bereit zu gehen, um endlich glücklich zu sein? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch.
Der Einstieg fiel mir sehr leicht. Wir lernen Seb direkt in seinem familiären Umfeld kennen und erleben die Geschichte aus seiner Perspektive. Die Welt, in der er lebt, ist im Grunde unsere eigene nur ergänzt durch dieses neue Projekt. Dadurch findet man sich schnell zurecht. Seb ist ein ruhiger, sympathischer Protagonist, der mit seiner Identität ringt. Obwohl ich selbst kein männlicher Teenager bin, konnte ich seine Gedanken und Gefühle gut nachvollziehen.
Besonders gelungen fand ich die Figur Finn. Anfangs wirkt er hart und verschlossen, doch nach und nach zeigen sich seine Unsicherheiten. Die Beziehung zwischen Seb und Finn entwickelt sich langsam und glaubwürdig. Auf den ersten Blick scheinen sie nicht zusammenzupassen, doch gerade diese Gegensätze machen ihre wachsende Freundschaft so authentisch.
Spannend war für mich auch der stetige Wechsel zwischen psychologisch intensiven Momenten und nervenaufreibenden, actiongeladenen Szenen. Der gesellschaftskritische Unterton regt stark zum Nachdenken an über das eigene Leben, über Dankbarkeit und darüber, wie anfällig unsere Gesellschaft für einfache Glücksversprechen ist. Das hohe Tempo der Handlung, kombiniert mit dem lockeren Schreibstil, ließ mich förmlich durch die Seiten fliegen. Zusätzlich hatte jedes Kapitel einen eigenen Titel, welchen man erst nach dem Lesen verstand wie etwas "Biene" oder "Toilettenpapier", gepaart mit eher kurzen Kapiteln sorgt auch das für ein lockeres Lesetempo.
Das offene Ende schafft eine vielversprechende Grundlage für die Fortsetzung und sorgt dafür, dass die Geschichte noch lange nachhallt. Insgesamt ist „Happy Head“ ein packender, nachdenklich stimmender Jugendthriller, der aktuelle Themen aufgreift und erschreckend realistisch wirkt.