Shiny Happy People

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jukafo Avatar

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In Happy Head werden Jugendliche in ein geheimnisvolles Programm aufgenommen, das angeblich nur ein Ziel hat: sie glücklicher zu machen. In einer abgeschotteten Umgebung müssen sie verschiedene Aufgaben erfüllen und Tests bestehen, die ihr Verhalten, ihre Gefühle und ihre Entscheidungen beeinflussen sollen. Doch während Sebastian versucht, sich anzupassen und alles richtig zu machen, wird immer klarer, dass hinter dem Projekt mehr steckt, als zunächst behauptet wird. Was als Programm zum „Glücklichsein“ beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einem undurchsichtigen Machtspiel.

Die Grundidee – Menschen zusammen einzusperren und sie Aufgaben erfüllen zu lassen – ist an sich nicht neu. Trotzdem ist sie hier wirklich gut umgesetzt.

Besonders gut gefallen hat mir der Schreibstil. Er macht es sehr leicht, Sebastians innere Zerrissenheit nachzuvollziehen. Man spürt förmlich, wie er ständig zwischen zwei Gedanken schwankt: Einerseits will er alles richtig machen und dazugehören, andererseits merkt er immer stärker, dass hier irgendetwas ganz gewaltig nicht stimmt. Das ist überzeugend geschrieben – auch wenn ich ihn zwischendurch am liebsten einmal kräftig geschüttelt und gefragt hätte, ob er eigentlich komplett blind ist. 🙃

Sehr gelungen fand ich auch, dass ein anderer Charakter, Finn, von Anfang an erkennt, dass etwas nicht stimmt. Diese Perspektive bringt eine spannende Dynamik in die Geschichte. Schade ist nur, dass die Handlung nie aus seiner Sicht erzählt wird – das hätte ich wirklich interessant gefunden.

Dafür hat mir die Entwicklung der Beziehung zwischen Seb und Finn sehr gefallen. Besonders schön ist zu sehen, wie Sebastian langsam beginnt, Finn zu vertrauen. Diese Entwicklung wirkt glaubwürdig und gibt der Geschichte zusätzlich emotionale Tiefe.

Zusätzlich verursacht das Buch beim Lesen regelmäßig Ohrwürmer 😂👍🏻

Ein paar kleine Kritikpunkte gibt es trotzdem: Zum einen hätte ich mir – wie erwähnt – gelegentliche Perspektivwechsel gewünscht. Das hätte der Geschichte noch mehr Spannung gegeben.

Zum anderen gibt es stellenweise ein leicht zähes Gefühl, weil sich ein bestimmtes Muster relativ häufig wiederholt: Sebastian zweifelt, vertraut wieder, zweifelt erneut, vertraut wieder… und so weiter.

Und dann wäre da noch das Ende. Es endet mit einem ziemlich fiesen Cliffhanger. Einerseits sorgt das natürlich für Spannung – andererseits wusste ich vorher nicht, dass es sich um eine Dilogie handelt. Und ja, ich gebe es zu: Diese Art von Ende nervt mich ein bisschen. 😅

Ich persönlich bevorzuge einfach vernünftige, halbwegs abgeschlossene Enden. Wenn mir ein Buch wirklich gefallen hat, lese ich den nächsten Band sowieso – auch ohne dramatischen Cliffhanger.

Trotzdem bleibt Happy Head ein spannender Auftakt mit interessanten Figuren, einem sehr angenehmen Schreibstil und einer Atmosphäre, die einen immer wieder misstrauisch macht. Ich bin auf jeden Fall neugierig, wie es weitergeht